Donnerstag, 23. Januar 2014

Wer einmal aus dem Blechnapf frißt

Wer einmal aus dem Blechnapf frißt
Hans Fallada

(Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, 1934, Deutsch)

Fallada verarbeite eigene Erfahrungen
Der 1934 erschienene Roman von Hans Fallada schildert die Versuche eines aus dem Gefängnis Entlassenen, sich in den normalen gesellschaftlichen Alltag zu integrieren. Willi Kufalt registriert nach seiner fünfjährigen Gefängnisstrafe nicht nur die schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen in Form von Wohnungs- und Arbeitssuche, sondern auch die zerstörerischen Mechanismen, die sich fatal auf Existenzen am Rande der Gesellschaft auswirken. Falladas zeitkritisch angelegtes Werk ist jedoch keine blauäugige Studie über das Verlierermilieu, vielmehr stellt es eine Abrechnung mit unannehmbaren Tatsachen dar, weshalb es dem Schriftsteller auch weniger um die Sympathiewerte der geschundenen Hauptfigur Willi Kufalt geht.

Der Roman beginnt im Gefängnis und er endet im Gefängnis. Anfangs freut sich Kufalt, dass er endlich die vier Wände seiner kleinen Zelle verlassen und in die Freiheit treten kann; zum Schluss ist er froh über sein erneutes Eingesperrtsein, das seine Kräfte und Hoffnungen mobilisiert. Aber was ist in der Zwischenzeit passiert? Willi Kufalt wollte nicht wie die anderen enden, die ihre Strafe abgesessen hatten, in die freie Welt geschickt wurden und nach einigen Tagen wegen erneut begangener Verbrechen ins Kittchen zurückgehen mussten. Doch sein Traum, oder besser gesagt seine Hoffnung von einer bürgerlichen Existenz stellt sich als naiv heraus. Dazu kommt noch, dass sich zu der Verzweiflung auch noch großes Pech hinzugesellt und Kufalts Gefängnisvergangenheit (welche übrigens nur äußerlich als solche zu bezeichnen ist, denn innerlich lebt er teilweise noch hinter Gittern) ihm immer wieder zum Stolperstein wird.

"War es nicht eine herrliche, ruhige Zeit, als er dort in seiner Zelle lebte und nichts wußte von Geld, Kohldampf, Arbeit, Bleibe ...?"

Stilistisch geht WER EINMAL AUS DEM BLECHNAPF FRISST den Weg anderer zeitkritischer Werke von Hans Fallada. Einfache, oft prägnante Sätze, auktoriale Erzählposition und viele ungekünstelte Dialoge - das mag nicht die poetischste Variante sein, dafür aber eine goldrichtige, wenn um das Leben unterer Schichten und sozial schwacher Menschen geht. Damit gelingt Fallada eine spannende Zustandsbeschreibung, deren Mittelpunkt nicht der um seine Freiheit kämpfende und verbitterte Ex-Häftling Kufalt ist, sondern die Gesellschaft, die hier als Apparat funktioniert, welches dem vermeintlich Üblen so lange Eigenschaften zuschreibt, bis das Üble selbst diese Eigenschaften übernimmt, damit endlich Harmonie entsteht und alle irgendwie zufrieden sein können.

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