Sonntag, 17. März 2013

Ich wurde geboren, aber...

Ich wurde geboren, aber... (Umarete wa mita keredo)



Japan, 1932
Genre: Drama, Komödie
Regisseur: Yasujiro Ozu
Darsteller: Tatsuo Saito, Tomio Aoki

Die Familie Yoshi ist in einen Vorort von Tokio gezogen, weil Familienoberhaupt Kennosukes näher beim Chef seiner Firma sein wollte, um einen regelmäßigen Kontakt mit ihm pflegen zu können. Neben seiner Frau brachte Kennosuke auch seine zwei Söhne mit, die von Anfang an Probleme mit den Nachbarschaftskindern bekommen. Weil einige davon die beiden in der Schule verprügeln wollen, entscheiden sich die Brüder dazu, die Schule zu schwänzen. Da ihr Vater erfährt, dass sie nicht in der Schule waren, begleitet er seine Söhne am nächsten Tag zur Schule. Obwohl die Schlägertypen versuchen, ihnen Denkzettel auszuteilen, haben die Brüder das Glück, dass der Lehrer auf sie aufpasst. Nach Schulende kümmert sich dann schließlich ein größerer Junge um die Prügeltruppe. Fortan haben die beiden Brüder in der Gruppe der Nachbarschaftskinder das Sagen.

Ozus ungewohnte Leichtigkeit

Kommentar: Banal und verflucht allgemein möchte man das nennen, was Ozu da auf die Leinwand warf; 1932, als es in vielen Teilen der Welt immer noch üblich war, Stummfilme zu drehen. So wie auch in Japan. Er schaut sich Mitglieder einer Familie an, ihre Beziehungen zueinander und wie sie in der Außenwelt integriert sind. Dabei fällt auf, dass Ozu sich deutlich auf die Bubenwelt konzentriert, das Erwachsensein in Kindern erforscht. Ganz ohne analytische Schärfe und Anspannung zeigt er die Kinder in einem Vorraum zur Erwachsenenwelt. Als Mittelpunkt für seine Erzählung nimmt Ozu zwei Brüder im Alter von acht beziehungsweise zehn Jahren, die mit Machtfindungsprozessen und Schwanzvergleichen (im übertragenen Sinne) konfrontiert werden und die lernen müssen, mit Autoritäten umzugehen. Ebenso nimmt der Regisseur den beiden Kindern Idealbilder weg und drängt ihnen die Realität auf. Die Vorstellung ihres Vaters nämlich, nach welcher er ein wichtiger und gefragter Mann sei, zerbricht, weil sie erfahren, dass er nur Untergebener, aber kein Chef ist. Die Herangehensweise an Themen wie soziale Ungleichheit und Hierarchieordnungen ist dabei so ungewöhnlich wie auch etwas ärgerlich. Inszenatorische Strenge und für den Bilderrahmen sitzende Kompositionen, wie sie der japanische Regisseur in seinen bekannteren und späteren Filmen perfektionierte, finden nur am Rande Anwendung. Es herrscht dagegen ein lockerer Ton von einer seltsam unangepassten Jugendlichkeit, die angesichts einiger ernster und konfliktreicher Auseinandersetzungen verdammt erstaunlich ist. Das Ärgerliche ist hingegen im Komischen enthalten. Anstatt in der Lage, wirklich für Lacher zu sorgen, ist der Humor häufig zu comichaft und albern. Nur hier und da findet sich mal eine charmante Stelle, über die man schmunzeln kann.

5/10

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