Samstag, 24. November 2012

Das unsichtbare Mädchen

Das unsichtbare Mädchen



Deutschland, 2012
Genre: Kriminalfilm, Drama
Regisseur: Dominik Graf
Darsteller: Elmar Wepper, Ulrich Noethen

Polizist Tanner stößt auf einer Autofahrt zufällig über eine Leiche, die am Straßenrand liegt. Schnell führt in diese Spur auf den zehn Jahre alten Fall Sina, in dem ein geistig behinderter Mann für das spurlose Verschwinden eines Mädchens verantwortlich gemacht wurde. Als Tanner sich mit dem pensionierten, damals für den Fall zuständigen Kommissar Altendorf berät, erzählt ihm dieser, dass er von der polizeilichen Arbeit im Fall Sina abgesetzt worden sei, damit die Ermittlungen mit einem anderen Kommissar schneller und vor allem ergebnisreicher vorankämen. Eindeutige Beweise gegen den geistig behinderten Gefangenen
gäbe es laut Altendorf nicht.

Der gute Krimi

Kommentar: Begrüßenswerte TV-Unterhaltung, die man sich öfters für die heimische Mattscheibe wünscht, anstelle der sonst biederen Handwerksarbeit zu prominenter Uhrzeit. Innerhalb eines Krimiplots installierte Graf mehrere eigene Geschichten, die sich dadurch auszeichnen, dass sie von seltsamen Polizisten handeln, die sich prügeln, miteinander bumsen oder sogar Augen für kleine, minderjährige Mädchen haben. Keine Superhelden-Darstellung lastet auf der polizeilichen Arbeit, sondern der Ton des Peinlichen, über den man mal genüsslich lachen oder mal den Kopf schütteln kann. In jedem Fall profitiert davon die Charakterzeichnung enorm. Der Film bleibt bis zum Finale dreckig und läuft mit seinen Absurditäten fast schon Gefahr, zu sehr nach Wirklichkeit auszusehen. Dass es wohl mehr als eine Auftragsarbeit für Herrn Graf war, zeigt sich in der tollen Inszenierung, die vom autoritären Einheitsbrei aus Bedachtheit und Massenkompatibilität Abstand hält. Zoom-Aufnahmen, schnelle Schnitte, abenteuerliche Kameraschwenks, alles mit einer Gemeinheit und List, mit Schwung und Dynamik, dass man davon kaum genug bekommt. Am Ziel der Reise angekommen, bittet der Film schließlich zum Tanz, wie er es auch schon in der Mitte getan hat. Eindrucksvoll, ausdrucksvoll, wertvoll.

6/10

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