Dienstag, 27. November 2012

Idioten

Idioten (Idioterne)
 


Dänemark, 1998
Genre: Drama
Regisseur: Lars von Trier
Darsteller: Bodil Joergensen, Jens Albinus

Eine Gruppe von Menschen veranstaltet ein Experiment: Gemeinsam zieht man in ein Haus und gibt sich in der Öffentlichkeit als eine Gemeinschaft von Behinderten aus. Das Ziel ist es, sowohl bürgerliche Werte zu überdenken als auch den "inneren Idioten" zu finden. Doch ihre anarchistische Idee zeigt sich bald als zwar spaßiges, aber auch sinnloses Projekt, da niemand tatsächlich bereit ist, seine bürgerliche Existenz im Arbeits- und Familienumfeld gegen ein Idioten-Dasein einzutauschen.

Die Sinnlosigkeit einer Anklage

Kommentar: Entzückender Versuch, die bürgerlichen Werte zu hinterfragen, doch sie letzten Endes als unzerstörerisches Übel hinzunehmen. In Triers eigenwilliger Versuchsanordnung spielen gesunde junge Menschen der unwissenden Öffentlichkeit geistige Behinderung vor, womit sie einerseits die Doppelmoral ihrer Mitmenschen entlarven, andererseits eine Abkehr von Verhaltensnormen vorführen. Da ihnen jedoch auch daran gelegen ist, den tief im Geist schlummernden "inneren Idioten" aufzuspüren und aufzuwecken, läuft das Projekt nicht nur als Sache der Gemeinschaft gegen eine spießige Gesellschaft. Gleichzeitig bedeutet das Experiment, dass man einen Selbstfindungstrip unternimmt, für welchen es natürlich keine Garantie gibt, ob man den Zielort überhaupt erreichen könne. Die Distanz aufhebende Handkamera fängt dabei alles ein, was die Gruppe veranstaltet. Mal spasten die Frauen und Männer im Schwimmbad rum, mal in einer Fabrik, die sie als Fake-Behindertenverein besichtigen und in einer Sequenz stellt sich einer von ihnen in der Toilette so herrlich blöd an, dass seinem Pipimann eine fremde Hand aushelfen muss. Albernen Blödsinn kultivierend, entdeckt die Gruppe auch noch das Rudelbumsen, was zu unverklemmt offenen Szenen führt und die dokumentarische Dimension des Films verstärkt. Lars von Triers Film ist zwar in seinen besten Phasen, etwa am Ende, sehr emotional, verzichtet jedoch auf inszenatorische Verunstaltungen. Kein Wunder, hängt Trier doch an der Kette seiner eigens mit Thomas Vinterberg kreierten Dogma-Regeln.

5/10

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