Mittwoch, 12. September 2012

Das Gesicht

Das Gesicht (Ansiktet)



Schweden, 1958
Genre: Drama
Regisseur: Ingmar Bergman
Darsteller: Max von Sydow, Bibi Andersson

Mitte des 19. Jahrhunderts: Eine Gruppe von Gauklern fährt zu einem Treffen zum Haus des Konsuls Egerman, der mit Naturwissenschaftler Dr. Vergerus die spaßige Wette abgeschlossen hat, dass übernatürliche Kräfte wahrhaft existieren. Nach der Ankunft wird die Gruppe rund um den Starmagier Dr. Vogler in einer Diskussion aufgefordert, ihre magischen Fähigkeiten zu präsentieren, da man sich ansonsten in der Pflicht sieht, die Polizei wegen Betrugs einzuschalten.

Lasst die Magie weiterleben

Kommentar: Die Unheimlichkeit und Rätselhaftigkeit bahnt sich rasend an und wird ab den Anfangscredits in den ersten Sekunden mit düsterer, minimalistischer Trommelmusik etabliert. Viele Male nutzt Bergman diese musikalische Beschwörung der Finsternis für seine an vielen Stellen knappen und subtilen Inszenierung, wobei sich die geisterhaften Klänge weder mit Wichtigtuerei in den Mittelpunkt werfen noch mit einer fehlplatzierten Lebhaftigkeit. Die Klänge sind keine Ergänzung in der Definition des atmosphärischen Klimas, sie sind die gesamte Atmosphäre - auch wenn man nichts von ihnen hört! Als spiele ein ständig anwesendes Gespenst diese unheimliche Musik, die man gar nicht akustisch wahrnehmen muss, um ihr Dasein zu spüren. Was dieses unheimliche Dasein meisterhaft verdichtet ist der Kampf Rationalismus und Wissenschaft gegen Übernatürlichkeit und den Glauben an das Übernatürliche. Zentralgestalt Dr. Vogler, Entwickler des "animalischen Magnetismus", soll unter anderem Visionen vor dem Gesicht eines Fremden evozieren können, wofür er natürlich von der aufgeklärten und feinen Gesellschaft verspottet wird. Doch wie die Ungläubigen stürzt der geheimnisvolle Magier und seine Gefolgschaft die Filmschauenden ebenfalls in die Verwirrung, da gerade sie bei einzelnen Sequenzen nicht sicher sind, ob in der konstruierten Filmwirklichkeit Magie oder nur billige Tricks zur Anwendung kamen. DAS GESICHT ist vor allen Dingen rätselhaft. Selbst das Happy End erscheint wie ein zufälliger Schluss. Aber vielleicht ist das auch nur ein Verweis darauf, dass es immer Leute geben wird, die an Magie glauben und die Faszination am Übernatürlichen durch die Wissenschaft nicht ausrottbar ist.

7/10

2 Kommentare:

Schlombie hat gesagt…

Klingt sehr interessant. Danke für den Tipp!

Eule hat gesagt…

Der Film hat sogar eine verdammt gut inszenierte Horrorszene, die mich bei der ersten Sichtung vor 2 Jahren komplett aus den Socken geschossen hat! Finde sowieso, dass Bergmann Horror sehr gut vermitteln konnte, auch wenn das nicht zu seinen Spezialdisziplinen gehörte.

Kommentar veröffentlichen