Freitag, 14. September 2012

Die fabelhafte Welt der Amélie

Die fabelhafte Welt der Amélie (Le fabuleux destin d’Amélie Poulain)



Franreich/Deutschland, 2001
Genre: Komödie, Drama
Regisseur: Jean-Pierre Jeunet
Darsteller: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz

Die introvertierte Amélie Poulain verdient ihr Geld als Kellnerin in einem kleinen Pariser Café, während sie ihre Freizeit mit den banalsten Tätigkeiten verbringt, wie z.B. dem Publikum im Kino beim Zuschauen zuzugucken oder kleine Steine über einen Kanal springen zu lassen. Eines Tages entdeckt sie in ihrer Wohnung eine kleine Box aus den 50er Jahren, die ursprünglich einem kleinen Jungen gehören musste. Überraschenderweise kann sie diesen sogar ausfindig machen. Als sie dem jetzt älteren Mann die Box auf anonyme Weise zukommen lässt und sieht, wie glücklich dieser darüber wird, beschließt sie, anderen Menschen in ihrer Umgebung ähnlich zu helfen.

Fabel-hafte Welt

Kommentar: Wie eine Actionkino-Version einer melancholischen Komödie. Das optisch aufregende Kino von Jeunet kennt keinen Stillstand, sondert spurtet von einem fabelhaft visualisierten Moment zum nächsten. Das macht summa summarum zwei Stunden Schnellerzählstil in blumig-romantischer Form - und man hat nicht selten das Feeling, alles läuft nach Takt, im Rhythmus des Gedankens, dass alles Schöne und Perfekte zum Schluss ein perfektes Produkt abgibt. Die unentschuldbare Schwäche von DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE darf man natürlich nicht bei den wunderbaren Charakteren suchen, die die sympathischen Außenseiter abgeben und mit persönlichen Schicksalen ausgestattet wurden, denen man gerne mit Empathie begegnet. Mit dem Argument, dass die Welt in diesem Film viel zu aufpoliert ausschaut oder der Mikrokosmos ein kitschig inszeniertes Märchenland abgibt, kann man auch schwer ins Feld ziehen, da im Zentrum der Handlung eine eigenwillige, verschrobene Gestalt steht, die ihre Umgebung etwas anders als die Mehrheit der Menschenbevölkerung wahrnimmt - somit dient diese synthetische Welt nur der Identifikation mit Amélie. Das Problem von diesem Film, wie auch von anderen Filmen ähnlicher Machart, ist ihre Offbeat-Natur. Spätestens nach der Hälfte läuft der Stil voraus, wird zum ruhmreichen Darbieter audiovisueller Ausschweifungen, während der Inhalt entweder trivial bleibt oder noch trivialer wird.

4/10

1 Kommentare:

Whoknows hat gesagt…

Kannst du dir vorstellen, wie sehr Splatter-Mutti deinen (partiellen)Verriss liebt? Ich dachte immer, sie gehe nur demonstrativ zu Bett, wenn ich die DVD einlege, weil ihr der französische Charme einer Amélie fehlt - kann dir aber tatsächlich schwer widersprechen. Der Inhalt bleibt tatsächlich trivial; meine diversen Sichtungen könnte ich kaum begründen. Vielleicht ist es die von dir erwähnte kitschige Märchenwelt, die auf die Dauer langweilt, mit jedem Versuch mehr und mehr.

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