Samstag, 7. Mai 2011

Viridiana (DVD-Kritik)

Viridiana


Spanien/Mexiko, 1961
Genre: Drama
Regisseur: Luis Bunuel
Darsteller: Silvia Pinal, Fernando Rey

Kurz vor ihrem Gelübde wird Viridiana gebeten, ihren Onkel Don Jaime für einige Tage zu besuchen. Obwohl er sich nie um sie gekümmert und sie auch sonst viel Schlechtes über ihn gehört hatte, entschließt sie sich trotzdem dem Onkel den Wunsch zu erfüllen. Bei ihrer Ankunft erkennt Don Jaime sofort, dass Viridiana seiner verstorbenen Frau außergewöhnlich ähnlich sieht. Am Abend vor ihrer Abreise überredet er seine Nichte, das Hochzeitskleid seiner Frau anzuziehen und sich zu präsentieren. Diesem Wunsch folgt die ahnungslose Viridiana und gerät zur späteren Stunde in Panik, als ihr Onkel mit der Absicht herausrückt, sie zur Frau nehmen zu wollen. - Ein Film wie ein Stich, der sich gegen die religiösen Vertreter und ihre scheinbar guten Absichten wendet. Viridiana - ausgestattet mit einem Herz aus Gold - stellt nicht bloß die (Gut-)Gläubigkeit dar, sondern auch die Nutzlosigkeit und den Unwillen diese zu registrieren. Dann ist da noch ihr vereinsamter und unbefriedigter Onkel, der sich nach Viridiana's Heimfahrt ins Kloster mit einem Springseil erhängt. Schuldgefühle, Gutmenschlichkeit und die Worte ihres Onkels, der ihr vor dem Selbstmord offenbarte, dass er schon immer Menschen helfen wollte, treiben Viridiana schließlich dazu, Habenichtse und Bettler ein Heim zu geben und sich um sie zu kümmern. Dafür kehrt sie auch vom Klosterleben ab. Und Bunuel wäre nicht Bunuel, wenn er moralische Prinzipien der Kirche in dieser Situation nicht in Frage stellen würde. Denn sofort nachdem Viridiana der Ordensschwester klar gemacht hat, dass sie mit dem Leben in der Nonnengesellschaft nichts mehr zu tun haben will, wird man Zeuge eines abwertenden Gesichtsausdrucks der Gottesdienerin. Überhaupt ist der ganze Film eine Ansammlung von Spielereien mit Symbolen und der Zurschaustellung verschiedener Perversionen. So ist ein handliches metallenes Kreuz mit einem ausfahrbaren Messer oder eine orgiastische Fressparade inklusive Da Vinci-Andeutung zu bestaunen. Die eindrucksvollste Szene besteht aus schnellen Schnitten und zeigt zwei Seiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da ist einmal Viridiana und ihre armen Taugenichtse wie sie auf den Knien betend gen Himmel lose Worte aussprechen und die andere Partei ist die des ungeliebten Sohnes von Don Jaime, nämlich Jorge, der mit seinen Arbeitern sich am weiten Feld zu schaffen macht und Modernisierungen plant. Illusion gegen Wirklichkeit, überholte Tradition gegen zielsetzende Moderne. Viridiana aber weiß nichts von der Realität, vom tatsächlichen Leben. Wie Jorge richtig klarstellt, ist sie an ihrer Religion verfault.

Zur DVD: Die DVD von Arrow Films hat keine Extras, dafür aber zum spanischen Originalton optionale englische Untertitel. Originalton in 1.0 Mono, nicht perfekt, aber ausreichend. Das Bild ist bis auf einzelne kurze Stellen sehr klar und die Schwarz-Weiß Farben können sich schon sehr sehen lassen.

9/10

DVD: 3/10

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