Freitag, 22. April 2011

Das weiße Band (DVD-Kritik)

Das weiße Band


Deutschland/Österreich/Frankreich/Italien, 2009
Genre: Drama
Regisseur: Michael Haneke
Darsteller: Christian Friedel, Ulrich Tukur

"Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte" zieht nicht von der ersten Sekunde den Zuschauer in ihren Bann. Die Fahrten der Kamera sind gewollt langsam, das Erzähltempo genauso und Begegnungen mit Figuren werden teilweise fragmentarisch behandelt, ein Stil, der dem Film die nötige Intensität verleiht, den Zuschauer zum Nachdenken anregt und vieles im Dunkeln lässt. Michael Haneke führt vor, wie Gewalt sich in Gegengewalt verwandelt, wie autoritäre Strukturen auf die Unterdrückten wirken. Die Handlung beschränkt sich auf ein fktives Dorf in Norddeutschland. Hier ereignen sich plötzlich mehrere mysteriöse Vorfälle, von Schuldigen keine Spur. Doch man wird weder Zeuge von Denunziationen, wie das in einer kleinen Gemeinschaft nun mal so üblich ist, noch von Untersuchungen der Polizei. Stattdessen gibt die Kamera Einblick ins Leben der Bewohner - da haben wird reiche Herren, denen die eigenen Arbeiter komplett egal sind und wie Vieh behandelt werden oder den Pastor, der seine Kinder für kleine Vergehen mit Brutalität züchtigt. Als die Frau eines Barons dies und vieles mehr anprangert und ihm sagt, dass sie in die Stadt zieht, weil sie es im Dorf nicht mehr aushält, versteht es dieser nicht und verdächtigt sie nicht nur des Betrugs, sondern schreit in lauthalsem Ton, dass sie nirgendswo hinzugehen und ihm zu gehorchen habe. Es ist nur eine von vielen Szene ohne konkrete Auflösung, aber genau dadurch wird eine ziemlich düstere Atmosphäre kreiert, dessen Gipfel nur noch die Schauspielerleistungen der Kinder erreichen kann, die wie die Frauen in diesem Dorf durch Machtstrukturen unterdrückt werden, und schlussendlich selbst Gewalt ausüben. Die Antwort auf die Frage, wer denn nun schlimmer sei - die machtbetrunkenen Männer oder die Kinder, die selbst Kinder mißhandeln und sie an Bäumen über Nacht anbinden -, liefert dieser Film nicht. Und das ist auch gut so.

Zur DVD: Die normale X-Edition von Warner Home Video ist ziemlich inhaltsleer. Keine Trailer, keine Bilder, von Extras überhaupt kein Spur. Darf eigentlich nicht wahr sein.

8/10

DVD: 1/10

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