Montag, 21. April 2014

The Birds (1963)

Als die reiche und attraktive Melanie Daniels den Anwalt Mitchell Brenner in einem Laden für Haustiere trifft, möchte sie ihm eigentlich nur einen harmlosen Streich spielen, indem sie vorgibt, eine Mitarbeiterin des Geschäfts zu sein und sich mit Vögeln auszukennen, da Mitchell nach einer bestimmten Papageienart gefragt hat. Doch Mitchell ist gar nicht so unwissend, wie er zuerst tut. Später gibt er zu, dass er in Wahrheit ihr einen Streich gespielt hat und weiß, wer Melanie ist. Verärgert und doch neugierig darauf, zu erfahren, um wen es sich bei dem Mann handelt, bestellt sie sich im Geschäft für den nächsten Tag gleich zwei Exemplare der von Mitchell angefragten Papageiensorte und reist mit den Vögeln nach Bodega Bay, ein kleiner Ort unweit von San Francisco, wo der Fremde gerade seine Zeit verbringt. Damit es eine Überraschung wird, mietet sie sich ein Boot, um das Haus der Familie Brenner unbeobachtet zu erreichen. Völlig unbemerkt kann sie ihr Geschenk dennoch nicht überbringen, was allerdings nicht schlimm ist, da sich Mitchell über ihren Besuch sehr erfreut zeigt. Nahe am Pier wird Melanie grundlos von einer Möwe angegriffen, die sie am Kopf verletzt. Viele Gedanken um den Angriff macht sich anfangs noch keiner der Beteiligten, doch als sich die Vorfälle häufen, lässt sich nicht mehr leugnen, dass die Vögel eine echte Gefahr für Leib und Leben sind.

Dass Hitchcock auch Horror konnte, und es sogar verstand, Horror weiterzudenken, zeigte er bereits 1960 mit PSYCHO. Letzterer mag vielleicht deutlich besser gealtert sein als THE BIRDS mit seinem massiven Einsatz der heute völlig lachhaft erscheinenden Tricktechnik, doch leckerer ist er für mich deshalb noch lange nicht. Wahrscheinlich tut mir THE BIRDS mehr gut, als er eigentlich sollte, weil der sexuell-psychologische Aspekt, speziell der Ödipuskonflikt, in dem schwarzweißen Film mit Anthony Perkins deutlich stimmiger erschlossen wurde, während er hier viel mehr klischeehaft daherkommt. Vielleicht sollte man den Film generell auch als eine Auseinandersetzung über die Auseinandersetzung verstehen. Die Attacke der wild gewordenen Vögel könnte demnach ein Ausdruck einer Furcht vor Verlust sein, die mit dem Eintreffen von Melanie Daniels auf Bodega Bay einsetzt. Das Bild von Mitchells Mutter, welches eine Ex-Freundin von Mitchell liefert und mit Details versieht, stellt zumindest eine Frau vor, die große Angst davor hat, dass ihr Sohn aus ihrem Wirkungsbereich gerät und ihr somit abhandenkommt. Löst also die Unsicherheit über die eigene Kontrollposition sowie das zukünftige Machtareal in Wirklichkeit die unkontrollierbaren Schwärme ganz gewöhnlicher Vögel aus?

Antworten auf zahlreiche Fragen bleibt der Film schuldig, was für einen Film von Alfred Hitchcock eigentlich ungewöhnlich ist, da der Herr sich bekannterweise ziemlich gut anstellte, wenn er den Sichter in die falschen Ecken führte, um diesem in den Aufklärungsszenen auf die Genialität des Drehbuchs und des inszenatorischen Handwerks hinzuweisen. Dagegen zeigt der Regisseur in THE BIRDS, dass er auch ohne Aufklärungsposen und Twists glänzen kann. Mit ihm brilliert auch Kameramann Robert Burks, welcher erstmals in STRANGERS ON A TRAIN (1951) Hitchcocks Visionen einfing. Jede seiner Einstellungen ist zum Niederknien, besser hätte man das Filmmaterial wirklich nicht mehr nutzen können. Aufgrund dieser Beglückung durch formale Merkmale muss man den subtil-mysteriösen Horrorfilm nicht unbedingt auf diejenigen Werte überprüfen, die angeben, wie viel Schrecken er tatsächlich noch provoziert. Trotzdem sind sich auffällig viele Menschen einig darin, dass der Film aufgrund der heutigen Sehgewohnheiten keinen mehr gruselt und das genau dieser Umstand ihn schwach erscheinen lässt. Da sich jeder wegen anderen Sachen in die Hose macht, ganz so wie jeder wegen anderen Dingen grölend zu lachen anfängt, kann ich dem nicht viel entgegensetzen, außer den Verweis zu bringen, dass der Gruselfaktor sich aus meiner Sicht durch die letztlich nicht stattfindende Klärung und durch den simplen Terror einfacher Möwen und Krähen zusammensetzt. Schlussendlich ist das, was wir dort sehen, doch nichts weiter als eine Umdrehung der Mensch-Tier-Verhältnisse in der Zivilisation. Bei all dieser Irritation fällt es mir persönlich nicht leicht, unerschütterlich zu bleiben und so auf eine Bindung zu den Charakteren zu verzichten. Klar ist allerdings auch, dass der Film keine Schockwirkung mehr mitbringt.

THE BIRDS (Deutscher Titel: DIE VÖGEL)
Regisseur: Alfred Hitchcock
USA 1963

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