Montag, 9. Dezember 2013

The Wooden Room

The Wooden Room (Derevyannaya komnata)



Russland, 1995
Genre: Drama (Experimental)
Regisseur: Yevgeny Yufit
Darsteller: Vladimir Maslov, Tatyana Verkhovskaya

Ein Mann wohnt mit seiner Frau in einer Hütte im Wald, abgeschnitten vom Rest der Welt. Er schaut sich Bilder an, die der Filmprojektor ihm an die Wand wirft. Als seine Frau unglücklich hinfällt und stirbt, versucht er, sich selbst umzubringen.

Ein System bricht zusammen

Kommentar: Das Rattern des Filmprojektors als angenehme Begleitung zu bizarren Bildern, die etwa zwei nackte Männer im Wasser, einen Otter bei der Körperpflege oder einen merkwürdig ablaufenden Selbstmord zeigen. Der Mann, der diese Filmrollen abspielt, scheint fasziniert von all der dokumentarischen Potenz und ist völlig versunken in das Material, welches die Frau an seiner Seite aber weniger begeisternd findet. Es ist auf jeden Fall das, was man als Zuschauer empfindet, denn Kommunikation mittels Sprache findet zwischen den beiden nicht statt. Wir müssen also die Gesichter und die Umgebung der Menschen lesen, um hinter das zu kommen, was man uns sagen möchte. Wie in vielen seiner Werke, bedient sich der Nekrorealist Yevgeny Yufit in THE WOODEN ROOM der audiovisuellen Möglichkeiten des Kinos der 20er und 30er Jahre. Allerdings entschärft der Regisseur diesen Anachronismus auch wieder, wenn er mit dem Sound arbeitet, da er mit dieser Eigenschaft sehr manipulierend umgeht. Während in dem ganzen Film nicht gesprochen wird und einige Objekte überhaupt keinen Laut machen, verursachen manche Dinge auffällig laute und manchmal außerordentlich verzerrte Geräusche, die durch den Kontrast mit dem Lautlosen teils verunsichern, aber zumeist anders wahrnehmen lassen. Wenn beispielsweise zwei Männer vor einem See stehen und die Soundspur durch das Plätschern von Wasser dominiert wird, haben wir auch eine direktere Sicht auf den See, obwohl er nicht im Ansatz zum Mittelpunkt des Bildes gehört. Der entstellte Ton macht die Aufnahmen also ganz oft sichtbarer; man könnte auch schreiben, dass er unseren Fixpunkt erweitert. Ein Gefüge existiert in DEREVYANNAYA KOMNATA nur in der ersten Hälfte der etwas mehr als 60 Minuten, danach bricht die feste Ordnung ohnmächtig zusammen, wodurch die dokumentierte und die wahre Realität ineinandergleiten.

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