Mittwoch, 5. Juni 2013

Meine Filmvorlieben [Stöckchen-Time]

Der gute Weltraum-Affe von Intergalaktische Filmreisen hat mir ein Stöckchen zugeworfen. Ich habe die Fragen - trotz meiner Schüchternheit - nicht unbeantwortet gelassen, sondern nach bestem Wissen und Gewissen mit Antworten versehen, deren Findung mir mal mehr, mal weniger leicht gefallen ist. Ich hoffe, es ist ein guter Striptease geworden.

Was ist dein Lieblingsfilm?
Wahrscheinlich DIE STUNDE DES WOLFS von Ingmar Bergman. Vielleicht aber auch DIE SPIELREGEL von Jean Renoir.

Wieso ist das dein Lieblingsfilm?
Ich liebe surreale Filme, ich liebe Horrorfilme und ich liebe Figuren, die sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Daher ist meine Wahl nur konsequent, zumal Bergmans Streifen die vielleicht unlöschbarsten Bilder in meinem Kopf festgesetzt hat. Außerdem liebe ich Strindbergs Werke, von denen sich Bergman auch für DIE STUNDE DES WOLFS inspirieren ließ.

Was war(en) deine Lieblingsfilm(e) als Kind?
Puh. Als Kind habe ich nur wenige Filme gesehen, da ich weder Kabelfernsehen hatte noch viele Videokassetten besaß noch mehr als einmal in zwei Jahren ins Kino ging. Großartige Erinnerungen habe ich aber an SINDBADS GEFÄHRLICHE ABENTEUER, der mir auch heute noch sehr zusagt. B-Movies wie C2 - KILLERINSEKT und MÖRDERSPINNEN legten dann wohl den Grundstein für meine bis heute anhaltende Leidenschaft für Horrorfilme.

Wer ist dein(e) Lieblingsregisseur(in)?
Ich kann mich zwischen Jean Renoir, Alfred Hitchcock, Wes Anderson, David Cronenberg und Ingmar Bergman nicht entscheiden.

Wieso ist das dein(e) Lieblingsregisseur(in)?
Weil sie alle Filme mach(t)en, die mich überwältigen. Alle fünf genannten Regisseure weisen in etwa die gleiche Anzahl an Werken auf, die ich herausragend bis meisterlich finde. Ehrlich gesagt kommt es mir bei einer persönlichen Bewertung eines Regisseurs auch nur darauf an. Deshalb ist für mich Konstanz in der Qualität kein Wert mit großer Bedeutung (es sei denn, der Regisseur hat erst zwei oder drei Filme gemacht). Wäre das so, hätte ich wohl Wes Anderson als meine klare Nummer Eins ausgegeben. Aber wäre das wirklich fair gegenüber Hitchcock und Bergman zum Beispiel, die viele unterschiedliche Karrierephasen hatten und über Jahrzehnte aktiv waren? Außerdem finde ich, dass ein guter Regisseur auch schlechte sowie überflüssige Filme machen und sich in Sachen ausprobieren darf, die mir nicht zusagen.

Hattest du schon vorher eine(n) Lieblingsregisseur(in)?
Puh. Ich habe früher große Stücke auf Steven Spielberg gehalten. Des Weiteren dachte ich mal, dass Stephen King ein Filmregisseur sei.

Warum ist das nicht mehr dein(e) Lieblingsregisseur(in)?
Ähm. Mir gefällt DER WEISSE HAI immer noch sehr, aber ansonsten kann ich mit seinen Abenteuer- und Kinderfantasie-Kreationen nicht viel anfangen. Wenn ich ehrlich bin, haben mich früher nur seine "erwachseneren" Filme wie DER SOLDAT JAMES RYAN und SCHINDLERS LISTE angesprochen, die ich sogar irgendwo als DVDs rumliegen habe, aber nicht einmal mit der Kneifzange anpacken würde. JURASSIC PARK und INDIANA JONES fand ich schon als Kind ziemlich lahm. Das hat sich bis heute kein Stück geändert. Ich bin darüber nicht traurig.

Wer ist dein(e) Lieblingsschauspieler(in)?
Ich schwanke zwischen Isabelle Huppert und Bela Lugosi.

Wer oder was ist deine liebste Filmfigur?
Ich mag allgemein sehr gerne Figuren, die sich mit ihrer eigenen Person auseinandersetzen müssen. Ansonsten ist meine Lieblingsfigur wohl Geschworener Nr. 8 aus Lumets DIE ZWÖLF GESCHWORENEN, weil dieser Charakter mich darauf aufmerksam machte, wie kritisches Denken funktioniert und wie notwendig eine Haltung ist, die scheinbar Gegebenes und Bestehendes hinterfragt, gleichzeitig jedoch an keiner Besserwisser-Position interessiert ist, sondern eine differenzierte Betrachtung mit einbezieht, welche wiederum auch Selbstreflexion ermöglicht.

Auf welche(n) kommende(n) Filme freust du dich am meisten?
Ich bin leider nicht wirklich fit, wenn es um Aktuelles geht. Allerdings freue ich mich ganz sicher auf die kommenden Projekte von Christian Petzold, Wes Anderson, Christoph Hochhäusler, Pen-Ek Ratanaruang, Rob Zombie, Wes Craven und Asghar Farhadi - auch wenn von einigen der Aufgezählten sicherlich noch gar nichts Genaueres geplant ist.

Wenn du das Geld und/oder die Möglichkeiten hättest über was würdest oder wen du einen Film drehen oder was möchtest du generell mal verfilmt sehen?
Die Biografie von Godfrey Ho.

Jetzt muss ich den Baumstamm das Stöckchen irgendjemandem an den Kopf schleudern, oder? Dann sind hiermit Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen und Robin von Mise En Cinéma die Auserwählten.

5 Kommentare:

Intergalactic Ape-Man hat gesagt…

Na siehste. ;)

Hm, ich wollt mir schon ewig die schwedische Bergmanbox holen. Die alten Sachen sind ja interessant bzw. was ich davon sehen konnte bisher. In die deutsche Phase kam ich nicht wirklich rein.

Erstklassig, daß ich so viele Hitchcocker kenne. Irgendwie haben alle einen Bezug dazu. :D

Übrigens ist Stephen King Regisseur. Sein Maximum Overdrive finde ich außerordentlich gut, seit ich den kürzlich in der Originalfassung gesehen habe. Da ist Zeitgeist und AC/DC drin, fast schon spielbergianische, kindliche Faszination, die aber dann, wie bei Laurentis so üblich, in total überspitzte Goreszenen übertrieben werden kann, die hier mit einem unterschwelligen schwarzen Humor angebracht werden. Sollte man nicht verachten. Aber ich weiß wie du es meintest.

Auf einer französischen Seite gab es mal ein sehr episches Interview mit Godfrey Ho. Er, immerhin Dozent an einer Filmschule, hat da einen sehr trockenen Spruch gebracht, der mich seit dem nicht mehr losgelassen hat: "Maybe in the future, if I do another movie, I’ll pay more attention to the script and mise-en-scene so as to make a good film."
Wenn man sich ein bisschen mit seinem Schaffen auseinandergesetzt hat, dann platzt das Ding wie eine Splittergranate. :D
Also ja, den Film sehe ich mir an!

Eule hat gesagt…

Stimmt, den Film von Stephen King kenne ich sogar. :D

Dass Hitchcock so oft genannt wird, wundert mich eher nicht. Den liebt und schätzt man ja schon als Jugendlicher oder junger Erwachsener, und diese Liebe setzt sich in den meisten Fällen fort bzw. steigert sich noch.

Ich wollte übrigens eigentlich nicht Steven Spielberg nennen, weil den fast jeder nennt. Aber mir ist kein anderer Name eingefallen, der mir früher mal bekannt war. :D

Das Interview mit Godfreyist in der Tat herrlich. Sehr schön auch diese Stelle: "When I was making a movie in New York and I had an assistant director who studied filmmaking in New York University. He asked me “Oh, Godfrey, how come the way you direct is so different from what we learned from our professors?”"

Die Biografie-Verfilmung wünsche ich mir übrigens im Stile von ED WOOD von Tim Burton, nur eben noch etwas trashiger. Eine Extra-Hommage an Pierre Kirby müsste auch irgendwie noch reingepackt werden.

Intergalactic Ape-Man hat gesagt…

Und in die Biographie muß die Hälfte eines anderen Films hineingeschnitten werden.

Marco hat gesagt…

Interessante Antworten. "Die Stunde des Wolfs" ist wirklich ein sehr guter Film, auch wenn mir "Persona" und "Das Schweigen" näher stehen. Wo findet man denn das Geoffrey Ho Interview?

Intergalactic Ape-Man hat gesagt…

Nanarland :)

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