Samstag, 20. April 2013

Frankensteins Braut

Frankensteins Braut (Bride of Frankenstein)



USA, 1935
Genre: Horror, Drama
Regisseur: James Whale
Darsteller: Boris Karloff, Colin Clive

Das aus Leichenteilen kreierte Geschöpf aus dem ersten FRANKENSTEIN-Film von James Whale scheint zwar in einer brennenden Mühle umgekommen zu sein, doch nachdem die Menschenmenge den Platz des Geschehens verlässt, kommt die immer noch lebende Kreatur aus ihrem Versteck heraus. Da sie wieder einmal beginnt, Menschen zu verletzten und zu töten, spricht sich ihre Auferstehung schnell im Dorf herum und erreicht auch Schöpfer Dr. Frankenstein, der kurz nach den Vorfällen Besuch von einem gewissen Dr. Prätorius bekommt. Auch ihn befall der Gedanke, Kreaturen zu erschaffen und so legt er Frankenstein seine verrückte Idee vor, die die Erschaffung einer Braut für das Monster vorsieht.

Alone: bad. Friend: good!

Kommentar: "Frankensteins Braut" beginnt dort, wo der Vorgänger von 1931 endete, nämlich zum Zeitpunkt des vermeintlichen Todes von Frankensteins Monster. Dass das Monster in der in Brand gesetzten und eingestürzten Mühle jedoch überlebt hat, sehen wir, als uns die angespannte Kreatur in einem Versteck gezeigt wird und sich erst heraustraut, als die aufgeregte Menschenmenge den Platz vorangegangener Action verlässt. Zwar tauchen bereits hier unlogische Zusammenwirkungen auf, die exemplarisch für die restlichen Drehbuch-Ungenauigkeiten stehen, doch begründen die ersten Szenen gleichzeitig genauso eine gesunde Art der Comichaftigkeit, die der Szenerie etwas absichtlich Unrealistisches und beinahe Groteskes verleiht.

War der erste Teil gerade in seiner Figuration des mad scientists sehr verbesserungswürdig geraten, leidet der Nachfolger nicht mehr an dem Manko des geläuterten Wissenschaftlers, der sich in Zeiten höchster Bedrohung ganz unter Kontrolle hat. Stattdessen arbeitet James Whale dieses Mal mit dem Typus des konsequenten und selbstsüchtigen Wannabe-Herrschers, der eine ganz eigene Form von Gefahr bringender Zerstörung demonstriert. In einer wunderbaren Sequenz beispielsweise, die zur damaligen Zeit nur mittels dufter Tricktechnik umgesetzt werden konnte, darf der angesprochene Typ des verrückten Gelehrten winzige menschlich wirkende Geschöpfe in mehreren Glasbehältern präsentieren und von sich wie von einem Gottwesen sprechen. Praktischerweise taucht diese Stelle recht früh im Film auf, sodass ein gigantisches Gefühl des Unwohlseins schon im ersten Akt etabliert wird. Dem schauderhaften Gebaren des Wissenschaftlers entgegengesetzt steht die unumständliche Vermenschlichung des Monsters, die sehr wohl schon der Vorgänger meisterte, gewiss aber nicht mit einer solchen Wärme und Präzision wie es "Frankensteins Braut" tut, der die einsame wie einzelgängerische Kreatur zum Protagonisten macht und ihm gar eine kurz anhaltende freundschaftliche Beziehung mit einem Blinden zugesteht. Obwohl Filmemacher James Whale eigentlich kein Sequel zu seinem Kassenschlager von 1931 drehen wollte, gab er den Wünschen der Universal Studios später doch noch nach, als sie ihm versprachen, dass er die volle künstlerische Herrschaft über das Projekt haben dürfe. Schaut man sich Karloffs kongeniale Performance des sich nach Liebe und Zuneigung sehnenden, nicht gewollten Geschöpfes oder die an Expressionismus erinnernden Bilder der Kamera an, war Whales Entscheidung, den Stoff fortzusetzen, goldrichtig. Trotz schauriger Episoden, die meistens auf die Kappe des beschriebenen mad scientist gehen, erfüllt das Werk im Übrigen eher die Bedingungen einer gesellschaftskritischen Satire als eines Horrorfilms.

6/10

2 Kommentare:

Schlombie hat gesagt…

"Frankensteins Braut" war für mich immer das ideale Beispiel dafür dass eine Fortsetzung auch besser sein kann als ihr Original. Schön dass Du den Blinden erwähnst, gehören seine Szenen doch zu meinen Lieblingsstellen, und ehrlich gesagt habe ich nach all den Jahren nicht mehr gewusst, ob er hier oder in Teil 1 enthalten ist. Das war letztens noch Thema in einer Unterhaltung mit einem befreundeten Filmnarren, und wir wussten es beide nicht. Von daher: danke für die Antwort! *g

Kennst Du die wundervolle Parodie auf die Szene mit dem Blinden von Mel Brooks? Wenn nein solltest Du Dir unbedingt mal "Frankenstein Junior" anschauen, eine Parodie auf einem höherem Niveau als die späteren, meist alberneren Werke Brooks.

Eule hat gesagt…

Ja, bei FRANKENSTEINS BRAUT ist irgendwie der Unterschied in der Qualität und auch Komplexität zum Original mehr als deutlich. Bei solchen Sachen wie THE HILLS HAVE EYES darf man ja gerne diskutieren, aber hier...? Never. :D ;-)

Die Szenen mit dem Blinden gehören für mich zu den besten und wunderbarsten des Films. ...hach!

FRANKENSTEIN JUNIOR werde ich mir deshalb auch bald beschaffen, da ich schon mehrmals auf den Film aufmerksam gemacht wurde. Danke für die Erwähnung. ;-)

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