Mittwoch, 20. Februar 2013

Es geschah am hellichten Tag

Es geschah am hellichten Tag



Deutschland/Schweiz, 1958
Genre: Kriminalfilm
Regisseur: Ladislao Vajda
Darsteller: Heinz Rühmann, Sigfrit Steiner

An einem kleinen Ort in der Nähe von Zürich findet der Hausierer Jacquier die Leiche eines kleinen Mädchens, woraufhin er die Polizei verständigt. Nach der Beweissammlung nimmt sich die Polizei im späteren Verlauf jedoch keinen Geringeren als Jacquier vor, den man zu einem Geständnis drängen will, da alle Indizien auf ihn als Mörder verweisen. Oberleutnant Dr. Matthäi, der seine letzten Tage bei der Zürcher Polizei verbringt, da er bald einen Dienst als Ausbilder in Jordanien beginnen soll, glaubt an die Unschuld des Hausierers.

Dürrenmatts berechtigter Ärger

Kommentar: Keine Verwunderung tut sich auf, wenn man liest, dass Dürrenmatt, der am Drehbuch beteiligt gewesen war, die Fassung des Films als zu bürgerlich und zu spießig empfand. In der ersten Hälfte noch, da ist ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG ein teufelsguter Kriminalfilm mit sicherlich bekannten, trotzdem sehr willkommen Ingredienzen. Wir haben den unter Verdacht stehenden Mann, der trotz seiner kräftigen Statur keinen allzu diabolischen Eindruck macht, und einen sehr humorvollen Polizisten, den eine große Skepsis überkommt, wenn er an die Schuld des einzig Verdächtigen denkt, weshalb er eigenständige Untersuchungen betreibt. Erst in der zweiten Hälfte, nach dem Selbstmord des Verdächtigen und ab der Zusammenkunft mit dem Psychologen, wird die davor noch rätselhaft wirkende Kriminalgeschichte unnötig psychologisiert, somit das Verbrechen zum Teil erklärt und sogar schon im Voraus geklärt. Denn wie in vielen Serienmörder-Suchspielen gehen der Auflösung banale Erklärungsmuster voraus, die vor einem Einmaleins der Tätermotive keinesfalls zurückschrecken. Schaut man sich Anfang und Ende im Vergleich an, wird die Kluft zwischen ihnen deutlich. Da ist die "aufgeregte" Exposition als Rätsel und Schrecken, dort ein Heile-Welt-Finale nach allen Regeln der Zuschauerfreundlichkeit. So ist selbst das moralische Dilemma des von Heinz Rühmann verkörperten Allein-Aufklärers, der für die Überführung des Kindermörders eine junge Frau samt der Tochter instrumentalisiert, natürlich schnell wieder vergessen und vom Tisch. Zurück bleibt ein zufriedenes Lächeln.

3/10

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