Montag, 17. September 2012

Götter der Pest

Götter der Pest



Deutschland, 1970
Genre: Drama
Regisseur: Rainer Werner Fassbinder
Darsteller: Harry Baer, Hanna Schygulla

Franz wird aus dem Gefängnis entlassen und sucht seine Freundin Joanna auf, die er jedoch nicht mehr liebt. Er lernt Margarethe kennen, verlässt Joanna und trifft seinen Freund "Gorilla" wieder, nachdem er und das gesamte Umfeld mitsamt der Polizei einige Zeit nach ihm gesucht haben. Zufällig erfährt die verlassene Joanna von einem Überfall seitens Franz und dem Gorilla auf einen Supermarkt und verpfeift die beiden an die Gesetzeshüter.

Kein Entkommen aus der Düsternis

Kommentar: In welch trauriger, düsterer und desolater Umwelt sich die Protagonisten in Fassbinders Anti-Noir doch bewegen, fast so als wären sie herumkriechende Gespenster, die nach Erlösung schrieen. Der ganze Film wimmelt nur so von schweigsamen Typen, todtraurigen Gestalten, deren Leben in ihrem mikrokosmischen Umfeld einer Verdammnis gleichkommt. Die Nutzung der Motive eines Kriminalfilms bleibt dabei eher eine Maßnahme, die dem Zweck dient, Konflikte auf einfache Art auszulösen, dem Handlungsstoff Leben einzuhauchen, nicht um tatsächliche Spannung oder Unberechenbarkeiten von außen auf spektakuläre Weise zu präsentieren. Somit findet alles, was den Film vorantreibt, seinen Ursprung bei den Hauptfiguren. Sie sind es, die sich zum Schluss selbst zerstören, aus Unvernunft, aus Liebe, aus Hass, und vielleicht, auch aus Selbsthass. Der grobe S/W-Look rahmt die handelnden Personen in angenehmer Manier ein, macht ihr Schicksal tragischer und die knappen Dialoge unmittelbarer, wodurch eine humane Begegnung fernab vom Verrat der Protagonisten entsteht. Diese einfühlsame Ader verfestigt sich besonders in sehr vielen absurden Szenen, wenn z.B. Franz bei seiner neuen Geliebten eine Platte anhört, von der ein Kindersong mit den abstrusesten Reimen erklingt ("Das Dromedar, das Dromedar brachte zur Verstärkung Kaviar") oder als der brutal ausschauende Gangster namens Gorilla sich ohne den geringsten Grund durch ein Fenster feuchtfröhlich ins Heu wirft.

6/10

2 Kommentare:

Whoknows hat gesagt…

Wie entdeckt ihr nur ständig Fassbinder-Filme, die ich noch nicht gesehen habe? Drehte der Regisseur sozusagen post mortem weiter? - Bei mir liegt schon lange ein bekannter, wenn seinerzeit auch umstrittener Fassbinder rum, den ich mal besprechen möchte. Aber wann komme ich dazu, während es aus euch nur so raussprudelt?

Spannende Entdeckung, zu der du mir da verholfen hast. :cheers:

Eule hat gesagt…

Dass du solche Filme nicht kennst, verwundert mich etwas. Anderseits: der Mann hat wirklich 'ne Menge abgedreht, dieser Fließbandarbeiter. ;D

Allerdings komme ich nicht umhin die intuitive Behauptung zu machen, dass "Götter der Pest" Fassbinder-Erfahrung benötigt und für mich persönlich vielleicht etwas zu früh kam.

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