Montag, 3. September 2012

Caché

Caché


Frankreich/Österreich/Italien/Deutschland, 2005
Genre: Drama, Thriller
Regisseur: Michael Haneke
Darsteller: Daniel Auteuil, Juliette Binoche

Das Ehepaar Laurent, Georges und Anne, lebt in einer ruhigen Straße in der französischen Hauptstadt, ihr Leben scheint idyllisch. Doch das intellektuelle Paar bekommt Botschaften per Video, die ihr Haus von vorne abgefilmt zeigen. Als eine Videokassette eintrifft, die Georges' Elternhaus zeigt und nachdem eine Zeichnung auftaucht, auf dem ein kleiner Junge mit einem blutigen Mund zu sehen ist, bringt Georges einen gewissen Majid mit den Botschaften in Verbindung. Majid war ein Waisenjunge, deren Eltern bei einem Massaker umgebracht wurden und der von Georges' Eltern adoptiert werden sollte. Doch da der damals sechsjährige Georges eifersüchtig auf Majid war, erzählte er den Eltern schlechte Sachen über ihn, sodass Majid ins Waisenhaus gebracht wurde.

Intellekt schützt vor Strafe nicht

Kommentar: CACHE erzählt vom plötzlichen Einbruch einer Bedrohung, welche ein gutbürgerliches Ehepaar terrorisiert. Der durch eine Videokassette vermittelte Terror zwingt Ehemann Georges sich mit der verdrängten Vergangenheit zu beschäftigen, womit Haneke wieder einmal das böswillige Eindringen in die Privatsphäre untersucht. Doch wo er in seinem Experiment FUNNY GAMES das Ergebnis des Eindringens als Erniedrigung verdeutlicht, erforscht er in diesem Film die Störung und den Versuch der Entstörung. Was die Störung angeht, referenziert Haneke auf das Massaker von Paris im Jahr 1961, als bei einer Demonstration gegen eine Ausgangssperre 200 Algerier von französischen Polizisten erschossen und ertränkt wurden. Wie in BENNY'S VIDEO und DER SIEBENTE KONTINENT will der Regisseur die "emotionale Vergletscherung" in den Wohlstandsländern deutlich machen, die in diesem Film Hauptcharakter Georges betrifft, da er es nicht begreift, sich dem Vergangenen mit Hingabe und Anstand zu nähern. Auf wackeligen Beinen steht für Georges aber nicht nur das eigene Gewissen, das sich auf eine Konfrontation mit längst Verdrängtem einlassen muss. Von den beunruhigenden Videonachrichten und Zeichnungen geht gleichsam eine zerstörerische Kraft auf die Beziehung mit seiner Frau Anne über. Wie unwichtig der Mann oder die Frau hinter dem Terror für den Zuschauer ist, zeigt Michael Haneke, indem er auf einwandfreie Beweise, die auf die Identität des Täters zurückschließen lassen, verzichtet. Die filmische Kälte sowie die strenge Inszenierung fangen die unangenehmen Konflikte dabei perfekt auf.

6/10

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