Freitag, 24. August 2012

Picknick

Picknick (Pescuit sportiv)



Rumänien/Frankreich, 2007
Genre: Drama
Regisseur: Adrian Sitaru
Darsteller: Adrian Titieni, Maria Dinulescu

Iubi und ihr Freund Michael fahren mit dem Auto zu einem gemütlichen Picknick am Strand. Im Moment einer kaum wichtigen Diskussion, in der die steuernde Iubi die Landstraße keines Blickes würdigt, bemerkt das Pärchen, dass es irgendetwas überfahren hat. Entsetzt stellen sie fest, dass es sich um eine Prostituierte handelt, die sie nach einer langen und hitzigen Debatte auf die Hintersitze pferchen und beschließen, im Wald zu vergraben. Dort angekommen erwacht die Prostituierte und gibt ihr Durcheinander zu verstehen. Iubi und Michael spielt der Fehler in ihrem Gedächtnis in die Karten und deshalb einigen sich die beiden darauf, der Frau nichts über den wahren Vorfall zu erzählen. Der Höflichkeit halber folgen sie auch dem Wunsch des Mädchens, das unbedingt an den Strand mitkommen möchte.

Kommentar: Nie die Verwandtschaft mit Dogma95-Filmen verleugnend, begleitet die rumänisch-französische Produktion "Picknick" ein Paar bei ihrem kleinen Ausflug zu einem gemütlichen Picknick. Doch die Beziehung des Paars erweist sich schon von den ersten Minuten an als höchst faulig. Iubi, der weibliche Part des Paars, ist eigentlich noch verheiratet, schiebt ein Gespräch mit ihrem Noch-Ehemann aber immer wieder auf, worüber sich ihr neuer Lover Mihai erbost zeigt. Die junge Prostituierte, die mit ihrer direkten und unverschämten Art immer weiter in die intime Zone des Pärchens eindringt, führt schließlich beinahe zu einem Totalkollaps. Die Strenge der subjektiven Perspektive verlegt die Konzentration voll und ganz auf die Figuren und wirft sie aus ihren brüchigen Fassaden. Dieser angespannte und wirklichkeitstreue Film spricht gezielt ein Publikum an, welches die Action in den Dialogen und Mimiken sucht. Damit kehrt es nicht nur den gängigen Verwöhnungsorgien den Rücken, sondern erweitert mit dieser Übernahme des Dogma95-Stils das zurückhaltende europäische Kino um einen weiteren gelungenen Teil eines eindringlichen, experimentellen Filmabenteuers.

6/10

2 Kommentare:

Whoknows hat gesagt…

Jetzt hast du mich aber schön reingelegt. Ich erwartete eine Besprechung des Joshua Logan-Klassikers, der Kim Novak berühmt machte. ;) - Dennoch: Klingt nach einem verlockenden Film, den du da für mich entdeckt hast. Muss ich mir merken. :)

Eule hat gesagt…

Da die Zugriffszahlen auf die Website dieses Posts hervorragend ausschauen, warst du vielleicht nicht der einzige mit diesem seltsamen Gedanken. ;-)

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