Dienstag, 22. Mai 2012

Das Netz der 1000 Augen

Das Netz der 1000 Augen (Le secret)



Frankreich/Italien, 1974
Genre: Thriller, Drama
Regisseur: Robert Enrico
Darsteller: Jean-Louis Trintignant, Marlene Jobert

David flüchtet aus einer Psychiatrie in eine Gebirgsregion in Südfrankreich. Dort trifft er auf den aufgeschlossenen Thomas, der einsam mit seiner Frau weit weg von der Stadt lebt und David überredet, bei ihnen im Haus zu übernachten. Schnell merkt das Paar, dass der Fremde gesucht wird. David leidet unter einem Verfolgungswahn, und wie sich später für das Ehepaar herausstellt, hat er auch einen Grund dazu. Thomas und seine Frau müssen sich entscheiden, entweder dem Mann glauben oder den Radiosprechern, die von der Gefährlichkeit des fremden Mannes sprechen.

Kommentar: Trintignant, Jobert, Noiret - drei schauspielerisch großartige Darsteller versammeln sich in einem Film, der viele starke Momente hat und sich um Unaufgeregtheit bemüht. "Le secret", wie er im Original heißt, bietet tatsächlich dauerhafte Spannung, weil er einer dieser Werke ist, die aus der Ausgangssituation den gesamten Thrill beziehen und nichts auflösen. Am Ende ist man genauso schlau wie vorher. Auch wenn der ein oder andere in der finalen Einstellung sicherlich interpretationstechnisch etwas anderes sehen wird. Um was geht es hier eigentlich? Konkret um einen Typen namens David, der aus einer psychiatrischen Sicherheitseinrichtung flüchtet, bei einem ungleichaltrigen Ehepaar unterkommt und denen erzählt, dass er im Besitz wertvoller Informationen ist und man ihn deshalb durch das gesamte Land jage.

Misstrauen und Ungewissheit plagen jedoch nur die Ehefrau. Julia hat kein Vertrauen zum Fremden und spürt ein Unbehagen ihm gegenüber, während ihr Mann Thomas, David einen Freund nennt und das ein oder andere Gläschen mit ihm kippt. Die Situation betrachtend besteht also ein Konflikt nicht nur zwischen dem Fremden David und seinen Verfolgern, sondern auch noch eine stille Zerrissenheit zwischen dem Paar. Im Detail bedeutet es eben, dass Angst sich in diesem Film in mehreren Facetten zeigt. Der kühle Thomas ist der Gegenpol zu den unter Furcht respektive Paranoia leidenden David und Julia. Aus der Fassung bringt ihn kaum etwas. Wenn also David so etwas wie das allgemeine Misstrauen gegenüber dem staatlich-politischen Apparat repräsentiert und Julias Unbehagen, die Angst vor der Zukunft, die Angst um eine sichere Existenz symbolisiert, dann ist vielleicht das nüchterne Verhalten Thomas' ein auf die Gesellschaft bezogener Ausdruck der Ausgeglichenheit, des Zufriedenseins, des Irgendwiewirdsschon.

5/10

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