Freitag, 16. Dezember 2011

Schlacht um Algier

Schlacht um Algier (La Battaglia di Algeri)


Italien/Algerien, 1966
Genre: Drama
Regisseur: Gillo Pontecorvo
Darsteller: Brahim Hadjadi, Jean Martin

Die Kasbah von Algier ist in den Händen der algerisch-nationalistischen Organisation FLN, die gegen sittliche Verwahrlosung, Korruption, aber vor allem für die Unabhängigkeit Algieriens kämpft. Wir schreiben das Jahr 1957: Colonel Mathieu möchte den Widerstand der Organisation zerschlagen. Für die Suche nach dem Kopf der revolutionären Bewegung wendet er Foltermethoden an. Gleichzeitig legt die FLN, was die Gewaltmaßnahmen angeht, ebenfalls deutlich zu. Ein Schlacht um Algier beginnt. Die Franzosen kämpfen für ihre letzte Kolonie, die Algerier für ihre Freiheit.

Kommentar: Obwohl nur wenig Geld zur Verfügung stand, ist den Verantwortlichen eine beispielhafte Abbildung einer Revolution gelungen. Der neorealistische Regisseur Pontecorvo macht aus der Geldnot eine Tugend. Statt Paul Newman mitspielen zu lassen, wie es eigentlich geplant war, drehte er überwiegend mit Laiendarstellern. Das macht den Konflikt sehr authentisch. Außerdem verkneift sich der Film eine konsequente Opfer-Täter-Darstellung, sondern zeigt die Gräueltaten beider Seiten. Die Foltermethoden der Franzosen werden genauso wenig weggelassen wie die Bombenanschläge der Widerstandskämpfer, die für die Unabhängigkeit in europäische Viertel eindringen und vollkommen unschuldige Menschen sterben lassen. Spannend ist dies dramaturgisch sicherlich nie, aber unglaublich intensiv. Durch das Vorhaben Pontecorvos nichts weiter als die Wahrheit abzubilden, trägt der Film stark dokumentarische Züge mit sich, außerdem erfährt der 1957 asymmetrisch geführte Krieg ebenfalls durch die zur Stimmung der Revolution beitragenden fabelhaften Musik von Ennio Morricone eine unglaubliche Lebendigkeit. Das ist wohl die berauschendste filmische Dosis an Geschichtsunterricht, die ich jemals geschluckt hab.

8/10

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