The Fountainhead (1949)


THE FOUNTAINHEAD
(Ein Mann wie Sprengstoff)
Regisseur: King Vidor
USA 1949

Ein Mann wie Granit

Ideale und künstlerisches Ausleben gehen für den Architekten Howard Roark vor Geld und Ruhm. Mit seinen modernen Visionen, die sich keinem klassischen Stil verpflichtet fühlen, stößt er bei Lehrmeistern, Investoren und Berufskollegen auf wenig Gegenliebe. Auf Kompromisse lässt sich der Sturkopf, der von allen Seiten vor dem finanziellen Ruin gewarnt wird, natürlich auch nicht ein. Fantastisch das Pokerface des Architekten spielend: Gary Cooper, dem keine Unsicherheit zu entlocken ist und dessen Zustimmungen und Ablehnungen etwas Finales haben. Ein Vielleicht kann man seiner Figur nicht entlocken, er ist der Inbegriff des an seine Überzeugungen glaubenden Individuums. Argumentiert wird jedoch auch für die künstlerische Integrität und die These, dass ein Künstler sich nicht dem Geschmack Dritter anzupassen habe. THE FOUNTAINHEAD exerziert diese These mehrmals durch, bis er sich möglicherweise zu weit aus dem Fenster lehnt. Im letzten Drittel sprengt der Architekt ein von ihm entworfenes Gebäude, weil auf Druck der Bauherren und Investoren die Details der Bauten geändert wurden. Die Sprengung wird in dem Film höchst pathetisch auch noch moralisch vor dem Gericht verteidigt, nicht von einem Anwalt, sondern vom Idealisten selbst. In einer viel zu langen Rede hält dieser ein flammendes Plädoyer für den Individualismus und die künstlerische Würde, die er durch die Zerstörung des Gebäudes nur erhalten wollte. Das Verständnis vom Künstler ist hierbei natürlich schon insofern verwunderlich und heuchlerisch, als dass es durch ein Hollywoodfilm vermittelt wird. Das Gros der Filme lebt, wie wir hoffentlich alle wissen, von Kompromissen, Unsicherheiten, Produzentendruck, Erwartungshaltungen und so weiter. Werke aus Hollywood dabei tendenziell mehr als etwa europäische. Eine solche selbstherrliche Doppelzüngigkeit mit einer antikollektivistischen Ideologie zu verknüpfen, die sich damals eindeutig der Schärfung eines individualistisch-amerikanischen Selbstbilds verschrieb, ist deshalb entschieden abzulehnen. THE FOUNTAINHEAD verfügt im Übrigen auch selbst über eine Produktionsgeschichte, in der nicht alles nach den Vorstellungen der beteiligten Köpfe lief. Ein Reinfall ist das fast zweistündige Projekt dennoch nicht. Dafür ist die Regie von King Vidor zu umwerfend, die sich besonders in romantischen Szenen eine vortreffliche Geltung verschafft. Des Weiteren haben wir hier einen der seltenen Fälle vor uns, in denen die Nebenfiguren komplexer und vielschichtiger gezeichnet sind als der eigentliche Protagonist. Der visionäre Howard Roark wird sich nämlich den kompletten Film nicht verändern, den Kontrast dazu bilden die gelangweilte Bauherrentochter Dominique Francon (Patricia Neal) sowie der zynische Zeitungsverleger Gail Wynand (Raymond Massey). Ihre Entwicklungen als Figuren verkomplizieren das Stück und schieben den Film ständig in die Nähe eines Noirs. Trotz unerträglicher Ideologie also leider ziemlich toll.

Kommentare:

  1. Ich finde den in seiner Ideologie ebenfalls abstrus und schwer erträglich, was für mich aber durch die Inszenierung nicht wettgemacht wird. Was ich aber nicht King Vidor oder "Hollywood" anlaste, sondern Ayn Rand. Überhaupt laste ich Ayn Rand alles an, wenn sie zufällig in der Nähe ist ...

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  2. Guter Zusatz.

    Kann ich auch komplett nachvollziehen, zumal Ayn Rand extra das Drehbuch verfasste und sehr viel Einfluss auf die Entstehung des Films hatte. Ähnlich halt wie der Protagonist im Film. Ironischerweise konnten nicht alle ihre Vorgaben erfüllt werden. Sie soll mit dem fertigen Film übrigens auch nicht zufrieden gewesen sein. Vidors Regie hebt für mich die Aussagen zum Teil insofern auf, als dass ich darin künstlerische Eigenleistungen sehe, die wenig mit der Ideologie zu tun haben. Das ist schon sehr gut inszeniert alles.

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