Den 12. Mann (2017)


DEN 12. MANN
(The 12th Man – Kampf ums Überleben)
Regisseur: Harald Zwart
Norwegen 2017

Gemeinschaftlicher Heldengeist

Zwölf norwegische Widerstandskämpfer werden während des Zweiten Weltkrieges an einer Küste von einem deutschen Kriegsschiff entdeckt. Einer von ihnen kann den Nazi-Soldaten entfliehen, während der Rest an Ort und Stelle getötet oder zunächst geschnappt und gefoltert wird. Der titelgebende zwölfte Mann, der es schafft, zu entkommen, ist Jan Baalsrud, der sich zur nächstgelegenen Insel retten kann. An den verschiedenen Stationen seiner Flucht vor den deutschen Soldaten bekommt er dabei riesige Unterstützung von den Anwohnern, die nicht gerade wenig riskieren, um dem Mann Stück für Stück der schwedischen Grenze näherzubringen. THE 12TH MAN wurde vom Hollywood-erfahrenen Harald Zwart als packendes Actiondrama inszeniert, das von Solidarität und Überlebensinstinkt handelt. Bereits in NINE LIVES (1957) wurde Baalruds Schicksal filmisch festgehalten, doch zufrieden soll der Überlebende mit dem Endergebnis nicht gewesen sein. Zu heldenhaft sei er dargestellt worden, wenn doch eigentlich all die helfenden, aufopfernden Hände der lokalen Bevölkerung im Mittelpunkt hätten stehen müssen. Zwarts Film grätscht demnach also rein, um einen neuen Entwurf vom Versteckspiel zu präsentieren. Dass es ihm dabei nicht sonderlich um größtmögliche Authentizität geht, stellt er insbesondere in den reißerischen Bumm-Krach-Einlagen dar. Dennoch fühlt man das Verschieben des Fokus. Baalsrud ist hier ein Antiheld, der ohne den Mut anderer nicht weit gekommen wäre. Sein Wille zu leben ist zwar groß, aber gegen die Kraft der eisigen Kälte Norwegens und die Überzahl der Deutschen würde auch er schnell der Kürzeren ziehen. Überhaupt spricht alles gegen sein Unternehmen, es über die schwedische Grenze zu schaffen. Das muss auch ein deutscher Befehlshaber erfahren, der seinen Jungs eigentlich zeigen wollte, dass es möglich sei, 12 Minuten in arschkaltem nordischem Winterwasser zu überleben und deshalb dieser verschwundene norwegische Bastard noch gar nicht tot sei. Doch auch er muss nach kurzer Zeit aufgeben, bedröppelt schleicht er wieder an Land, die vielen Augen des verschämt schauenden uniformierten Publikums auf sich gerichtet. Er hat es verkackt und nur ein Narr würde seine Verfolgung nach einer Leiche unterstützen. Eine der vielen großartigen Szenen in diesem Film, zu den weiteren gehören Fiebertraumsequenzen und natürlich unangenehme Aufnahmen körperlicher Zerstörung, für die die schonungslose Natur die Verantwortung hat. Das gleicht nicht die ungewöhnliche Spielzeit von 135 Minuten aus, in die sich Wiederholungen, pathetische Gesten und vorhersehbare Rededuelle mischen, aber sie sorgen dafür, dass man am Ball bleibt.

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