Return of the Living Dead III (1993)

RETURN OF THE LIVING DEAD III
Regisseur: Brian Yuzna
USA 1993

Als RETURN OF THE LIVING DEAD 1985 erschien, war es noch nicht weit her mit Zombiekomödien und so brachte der Film einen neuen Kniff in dieses Subgenre. Im gleichen Jahr veröffentlichte übrigens dessen Schöpfer Romero mit DAY OF THE DEAD die brisanteste und düsterste Ausgabe seiner Zombie-Trilogie. Dan O'Bannons Film und der Streifen von Romero zeigten also zwei verschiedene Herangehensweisen an den Untoten-Mythos. Wo im ersten Teil noch eine gewisse Strenge und ein Anflug von Konsequenz in der Luft und im Plot lagen, spielte RETURN OF THE LIVING DEAD 2, 1988 erschienen, die Komödiennote so oft und dabei auch noch so falsch, dass weder Zuschauer noch Kritiker mitmachen wollten. Doch heute, wo gefühlt alles aus den Achtzigern seine kultischen Anhänger hinter sich weiß, huldigen auch diesem Werk vereinzelte Stimmen, welches selbst für das Sonntagnachmittagsglotzprogramm des Hessischen Rundfunks eine strafbare Beleidigung wäre. Aus der Misere der ersten Fortsetzung zog man sechs Jahre später jedenfalls einige Klugheiten heraus und verzichtete für den dritten Teil komplett auf die komödiantisch geschärften Spitzen.

Es beginnt wie etwa in jeder Episode von OUTER LIMITS (oder einer ähnlicher Serie) damit, dass wir binnen fünf Minuten eine phantastische Situation mit Schockwirkung zu sehen bekommen und dankenswerterweise auch gleich die Protagonisten vorgestellt werden. Das jugendliche Pärchen Curt und Julie schaffen es dank einer ID-Karte in die Militärbasis, in der auch Curts Vater seine Brötchen verdient. Sie beobachten dabei ein Experiment und was sie dann sehen, wird Ihr Bewusstsein verändern, denn hinter der vertrauten Realität lauert das Unfassbare. Hinter dem Sichtbaren verbergen sich geheimnisvolle Rätsel. Hinter dem Augenscheinlichen liegt noch eine andere Wahrheit. Und so weiter, man kennt das ja. Sie werden schließlich Zeuge, wie ein Toter mithilfe des Trioxin-Gases wieder aufersteht. Da sie schnell wieder die Flucht ergreifen wollen und müssen, entgeht ihnen ein wichtiger Teil der Szene. Der Auferstandene ist nämlich ein wilder Zombie, der am Ende für das Militär nicht zu zähmen sein und in der Versuchskammer alle Wissenschaftler töten wird. Ein paar Dialoge und Meinungsgefechte später kommt es zu einem Unfall, bei dem Julie zu Tode kommt, weil Curt sein Motorrad aufgrund der Hosenspielchen seiner Geliebten nicht mehr kontrollieren kann. Daraufhin nimmt Curt Julie zur Militärbasis mit und setzt sie dort dem Gas aus, welches sie in ein Mischwesen aus Zombie und Mensch verwandelt.

Romero hat seinen Untoten stets menschliche Züge zugeschrieben. Das ging in LAND OF THE DEAD zum Beispiel so weit, dass sich die Zombies als Solidar- und Interessengemeinschaft verstanden. RETURN OF THE LIVING DEAD III stößt da mit der Darstellung einer Liebesbeziehung zwischen einem Menschen und einem Untoten in eine ähnliche Kerbe. Dafür widmet er seine inhaltliche Energie ganz dem Schicksal von Curt und Julie und fragt sich, ob Beziehung und Zweisamkeit unter den gegebenen Umständen möglich sind. Spannend eben auch, weil der Film die mythologischen Normen unterläuft, wenn er Julie ihre Stimme, ihren Willen und ihr Gefühle sowie Triebe lässt. Die größte Veränderung seit ihrer Zombiewerdung zeigt sich jedoch nicht optisch, sondern ist ein innerer Vorgang. Der immer wiederkehrende Hunger nach Gehirn und Menschenfleisch macht ihr zu schaffen, weil sie weiterhin ein Menschwesen ist, jedoch durch die neuen Impulse ihre moralische Balance in Gefahr gerät. Weil Curt ihre Fresssucht nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann und Entfremdung ihr gegenüber verspürt, bringt ihr Tun ihn vor die Entscheidung, sich für sie oder gegen sie zu entscheiden. Ein Zombiefilm als Teen-Romanze oder eine Teen-Romanze als Zombiefilm?

Ob die Macher des dritten Teils wirklich aus wirtschaftlichem Kalkül den Comedyaspekt weggelassen haben oder ob es sich aus einem anderen Grund ergeben hat, spielt eigentlich keine Rolle. Für die Themen, die das Werk anschneidet, ist ihre Herangehensweise richtig. Doch vielen erscheint die fehlende (tonale) Nähe zum Ursprungsfilm als Mangel. An dieser Stelle hilft es jedoch, sich auch über das ästhetische Untoten-Konzept Gedanken zu machen. Schaut man sich nämlich die tollen Effektarbeiten, also das Aussehen der Zombies des ersten Teils an und vergleicht sie mit denen in diesem Film, wird einem auffallen, dass hier gleiches Blut durch die Adern fließt. Der einzige Unterschied ist bloß, dass das Handgemachte in Brian Yuznas Werk variationsreicher und mit einer noch höheren Qualität gesegnet ist. Überhaupt denke ich, dass diese flott erzählte, aber dennoch tiefgründige Zombie-Romanze die optimalste F/X-Arbeit des Subgenres aufweist. Mir ist bewusst, dass es die Komik war, welche den Film von 1985 in die Herzen begeisterter Horrorgucker schießen ließ und ihn für viele von Ähnlichem abgrenzte, dennoch sollten die ästhetischen Meriten des Originals innerhalb der Zombiefilm-Historie nicht unterschlagen werden, an die Yuzna und sein Team versuchten anzuschließen.

RETURN OF THE LIVING DEAD III liefert eine unverkrampfte Zombie-Variation ab, die man getrost als anarchisch bezeichnen kann. In diesem Sinne passt dann auch das punkige Aussehen von Zombie-Julia, exzellent gespielt von Melinda Clarke, durch welches sie allein ins Pantheon großartiger weiblicher Figuren im Horrorfilm wandern könnte. Aus der Feder des Autors John Penney stammend, spielt das Drehbuch Coming-of-Age-Elemente aus, klagt militärische Disziplinierungslogik an und erzählt, ohne philosophische Schleifen zu machen, vom Verhältnis zwischen Liebe, Leben und Tod.

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