The Goddaughter (1972)


THE GODDAUGHTER
Regisseur: Donn Greer
USA 1972

Piranhazähne, Plastiklümmel, Poritzen

Wozu sich um Eigenständigkeit einer Story bemühen, wenn man doch hübsch beim gerade angesagten Material klauen kann. Erst recht, wenn der eigene filmische Rotz sich tief in die bumsverliebte Schublade bückt. Wem es wichtig ist, dicke Brüste anzuglotzen, schreit nicht mit Bestimmtheit nach Originalität. So dachten jedenfalls die Macher von THE GODDAUGHTER, einem ulkigen Film, bei dem man es gleichzeitig mit einem Rip-Off und einer Parodie zu tun hat, welche auf Coppolas Mafiaepos referenziert und sich dabei nicht nur an Motiven bedient, sondern auch Charaktere und einige Passagen mit gerissener Dreistigkeit abpaust. Zwischen den Verhandlungen und Besuchen irgendwelcher Verbrecherfreunde gönnt man sich hier jedoch flottes Rein- und Rausrutschen, ausgiebiges Muschilecken oder gleich ganze Orgien. Selbst im engen Sarg ziert man sich nicht und fickt einfach munter darauf los. Oft ist in diesen Szenerien ein Gesichtsporträt von Vito Corleone im Hintergrund zu sichten, so als wolle man dem Zuschauer kommunizieren, dass Marlon Brando noch für eine Nummer vorbeischaut. Im Gegensatz zu den Corleones werden die Carriones ihre Widersacher aufgrund ihres sexuell getakteten Alltags und Umfelds aber durchaus auch ohne Waffengewalt los. Einige Damen sind nämlich mit solch üppiger Oberweite ausgestattet, dass sie damit beauftragt werden, missliebigen Geschäftspartnern mit ihren Glocken solange die Atemwege zu blockieren, bis sie sterben. Und auf Mogul Big Jake Phallustine wird gar eine Frau angesetzt, die mit ihren großen scharfen Zähnen dessen Riesenlümmel vom Rest seines Körpers abtrennt. Fassungslos macht das schon, was man da auf den Bildern sieht. Sich einzureden, dass die das nie im Leben ernst meinen können, bringt herzlich wenig. Denn ehe man sich versieht, rückt der Film unerwartet und ohne Vorwarnung in die Nunsploitationecke vor, den dritten, 1990 erschienen Coppola-Streich gewissermaßen schon vorausahnend. THE GODDAUGHTER zeigt Mafialeben als Zerstreuung, Saustall, körperliche Erfahrung und Klamotten in Sofaritzen. Viele Charaktere stammen mitsamt den Namen aus dem ersten Pate-Film, stets durch eine verquer-parodistische Linse betrachtet, die auf das kulturelle Kontextwissen des Zuschauers vertraut, oder besser gesagt: hofft. Moralische Verdorbenheit und Zwielichtigkeit sind Eigenschaften, die man eigentlich jedem in diesem Film zuschreiben kann, dennoch möchte gefühlt jeder Zweite jemandem ein Angebot unterbreiten, welches man nicht abschlagen kann. Ein Zitat wird zum running gag und wer THE GODFATHER da noch nicht gesehen hatte, schaute wohl ziemlich dumm aus der Wäsche. Angebot? Ablehnen? Was??? Trotz aller (sympathischen) Strunzdummheit, die ein solcher Film hervorbringt, kann sich auf seiner naiven Oberfläche, die eine andere simuliert, auch Erstaunliches sammeln. THE GODDAUGHTER ahmt nämlich auch jenen Rassismus nach, der aus Francis Ford Coppolas italoamerikanischen Mafiafilmfiguren manchmal ausbricht. Dort sind es Schwarze, in Donn Greers porn spoof ein Türke, von dem man doch nicht erwarten könne, dass er Sätze im Zusammenhang versteht, und so.

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