Samstag, 29. März 2014

Jumper

Jumper
Steven Gould

(Jumper, 1992, Englisch)

2004 erschien der Nachfolger
Als ihn sein Vater wieder einmal verhauen will, weil er den Rasen nicht gemäht hat, findet sich der junge David Rice plötzlich in einer Bibliothek wieder. Später, als ihn ein Trucker mitnimmt und ihn zu einem abgelegenen Ort bringt, an dem er ihn mit seinen Kollegen sexuell missbrauchen will, passiert es ein weiteres Mal, dass David aus einer unangenehmen Situation ohne Konsequenzen verschwinden kann. Er findet schnell heraus, dass er sich teleportieren kann und die Gabe hat, an jedem möglichen Ort, den er besucht hat und der in seinem Kopf abgespeichert ist, aufzutauchen. Von seinem alleinerziehenden und ständig betrunkenen Vater endgültig losgerissen, verbringt David die erste Zeit in einem Hotelzimmer in New York. Da er ohne Sozialversicherungsnummer keine Möglichkeit hat, eine Arbeit zu bekommen, plündert er mithilfe seiner neu entdeckten Fähigkeiten eine Bank aus. Im Verlauf des Buches entwickelt sich eine Beziehung zwischen ihm und einer etwas älteren Frau namens Millie, die er im Theater kennenlernt. Erst als David in Schwierigkeiten gerät, erzählt er seiner Freundin die ganze Wahrheit über sich und sein Talent, sich ohne Zeitverzögerung oder Hilfsgegenstände von einem Ort zum anderen teleportieren zu können.

JUMPER ist der erste Roman von Steven Gould, der noch weitere Bücher geschrieben hat, die dem Genre Science-Fiction zuzuordnen sind. Die Erwartungen, die die ersten 100 Seiten aktivieren, können im zweiten Drittel allerdings nicht erfüllt werden. So bleibt Gould über mehrere Kapitel an den gleichen Konflikten, Problemen und Prämissen hängen, baut einen Kreativität vermissenden Plot über Davids Suche nach einem weltbekannten Terroristen ein, der für den grausamen Tod seiner Mutter verantwortlich sein soll, und zieht die Geschichte am Ende merkbar in die Länge, anstatt sie entschieden abzuschließen. Das Motiv der Rache, welches im Verlauf als ein omnipräsentes Element auffällt, wird zwar auch vom moralischen Standpunkt hinterfragt und sorgt somit für eine kognitive Beschäftigung, anstatt nur aus dem emotionalen Blickwinkel betrachtet zu werden, allein das entschuldigt aber nicht die übermäßige Vertiefung des Hin-und-her-Kampfes der Hauptfigur gegen Terroristen einerseits und die NSA (National Security Agency) andererseits.

"I could grab him, jump to the top of the Empire State Building, and drop him over the edge." *

Letztlich scheint mir der politische Einschlag des Buches nicht gerade von Inspirationen getragen zu sein und macht das Buch nur noch formelhafter. Dabei hat der Anfang damit noch gar nichts gemein, denn hier wird David auf seine Fähigkeit aufmerksam, lernt, wie er mit ihr umgehen muss, und erlebt überhaupt eine aufregende Sache nach der nächsten. Wenn sich die generelle Unerfahrenheit des Protagonisten mit dessen trial-and-error-Phase vermischt, dann lässt sich über die Aktivitäten sogar leicht schmunzeln. In der Ich-Perspektive geschrieben, nehmen die Gedanken von David einen großen Platz des Buches, besonders der ersten Hälfte ein. So stellt er sich zum Beispiel die Frage, ob es noch weitere Menschen gibt, die die Raumgrenzen ohne physischen Aufwand bewältigen können, und ob diese für gewisse politische Vereinigungen als Spione tätig sind. Trotz des Reichtums an Handlungsoptionen bleibt der sich als Außenseiter fühlende Mann auf dem Boden und bekommt schon wegen Kleinigkeiten große Schuldgefühle, die ihn erbärmlich erscheinen ließen, wenn da nicht eine durchdacht zusammengefasste Psychologie dahinter stecken würde, die David zu einem Antihelden mit superheldentypischer Qualifikation macht.

(* "Ich könnte ihn packen, danach auf das Empire State Building springen und ihn von der Dachkante werfen.") [freie Übersetzung]   

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