Mittwoch, 24. Juli 2013

Hideko, the Bus Conductor

Hideko, the Bus Conductor (Hideko no shashô-san)



Japan, 1941
Genre: Drama
Regisseur: Mikio Naruse
Darsteller: Hideko Takamine, Kamatari Fujiwara

Die junge Busbegleiterin Hideko kommt durch eine Nachrichtensendung auf die Idee, die Fahrten ihres Arbeitskollegen Sonoda mit Kommentaren über die ländliche Gegend und ihre kleinen Sehenswürdigkeiten zu begleiten, um mehr Fahrgäste anzulocken, da das Geschäft schon lange nicht mehr boomt. Dazu holt sie sich Hilfe von einem Schriftsteller aus Tokio, der unentgeltlich ein Skript für die neuen, Abwechslung ankündigenden Fahrten anfertigt. Doch bei der Generalprobe kommt es leider zu einem Unfall. 

Schmucklose Abbildung weiblicher Emanzipation

Kommentar: Keine ganze Stunde dauert Naruses Film, bei dem er zum ersten Mal mit der Schauspielerin Hideko Takamine arbeitete. Sie spielte in insgesamt siebzehn Filmen des Regisseurs mit und übernahm in HIDEKO, THE BUS CONDUCTOR die Hauptrolle. Hier verkörpert Takamine eine Busbegleiterin, die zusammen mit einem Kollegen Fahrten durch ein ländliches Gebiet unternimmt und Passagiere in einem schon recht klapprigen Gefährt willkommen heißt. Weil die Anzahl der Kunden auf der Route stets dürftig ist, kommt man auf die Idee, simultan zum normalen Mitfahrangebot auch noch eine Art Sightseeingshow zu veranstalten, damit es den Gästen nicht langweilig wird. Auf den ersten Metern vermag es der Film noch, Erinnerungen an den fantastischen MR. THANK YOU von Hiroshi Shimizu zu wecken, der fünf Jahre zuvor entstand und seine Handlung fast die gesamte Spielzeit über auf eine einzige Busfahrt beschränkte. An dessen Art von Alltagspoesie samt einprägsamer Schmucklosigkeit schließt Naruses Werk zwar ebenso an, doch merkt man schnell, dass der Plot einer anderen Ausrichtung verpflichtet ist und sich die Aufnahmen im Fahrzeug deutlich im Hintergrund halten, während in der zum Optimismus neigenden Erzählung von HIDEKO, THE BUS CONDUCTOR der Bus mehr als Symbol für das Vorwärtskommen verwendet wird, ansonsten aber marginal in Erscheinung tritt.

Entfaltungsdrang und Zuversicht gegenüber den Chancen der Erneuerung werden hier von einer Frau hervorgebracht und vorangetrieben sowie als Elemente für individuelle Persönlichkeitsentwicklung angenommen, sodass man im Zusammenspiel mit der detaillierten Buchstabierung dieser thematischen Kernpunkte gar von weiblich-emanzipatorischen Tönen sprechen kann, wenngleich der Film das sehr subtil vermittelt und nur Hinweise verteilt. Die vollständige Zuordnung zur Fraktion der kleinen Filmperlen wird allerdings durch die sympathische Leichtigkeit und die trockene Komik sichergestellt, denn schließlich sind diese Faktoren dafür verantwortlich, dass sich alles fernab jeder wuchtigen Dramatik abspielt und das Werk sich dadurch wieder ganz dem Geiste von MR. THANK YOU nähert.

2 Kommentare:

Michael Schleeh hat gesagt…

Oh, hört sich toll an - kenne ich noch nicht...

Eule hat gesagt…

Freut mich, gerade dich informiert zu haben. ;-)

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