Sonntag, 24. April 2011

Das Mädchen aus der Streichholzfabrik

Das Mädchen aus der Streichholzfabrik


Finnland, 1989
Genre: Drama
Regisseur: Aki Kaurismäki
Darsteller: Kati Outinen, Elina Salo

Der Alltag der jungen Frau mit dem Namen Iris könnte trister nicht aussehen. In einer Streichholzfabrik steht sie den ganzen Arbeitstag am Fließband und prüft, ob die Streicholzverpackungen ordentlich etikettiert sind. Nach der Arbeit geht sie nach Hause zu ihren Eltern und erledigt dort Haushaltstätigkeiten, während ihre Eltern stumm in den Fernsehapparat schauen. Zum ersten dargestellten Zwist mit den Eltern kommt es, als Iris beschließt, sich ein schönes Kleid für die Diskothek zu kaufen. Sie möchte Beachtung von Männern bekommen und nimmt von ihrem Monatslohn, den sie normalerweise ihren Eltern auszahlt, einige Finnische Mark heraus, um sich ein stylisches Outfit für die Nacht zu kaufen. Was folgt sind eine deftige Backpfeife und der Ausspruch "Hure!" seitens des Stiefvaters. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf und wir als Zuschauer werden Zeuge, wie sich Iris von einer alles hinnehmenden und belasteten zu einer gerissenen und würdevollen Dame entwickelt. Und wir sehen es, ohne die Protagonistin sehr viel sprechen zu hören. Nur mit Halbsätzen, einzelnen Wörtern und paar Millilitern Rattengift behauptet sie sich gegen die Männerwelt und ihre dominanten Eltern. Überhaupt beherrscht die Wortkargheit das ganze Filmwerk und liefert einen eigenen Beitrag, der als Antithese zu den Mega-Blockbustern und Tarantino-Kinos dieser Welt funktioniert. Aki Kaurismäki hat nicht nur Regie geführt, er war auch der Mann für das Drehbuch und den Schnitt. Es ist ihm gelungen ein packendes Sozialdrama mit wenig Aufwand klar strukturiert aufzunehmen und die Zwänge des Mädchens sowie die unromantischen und schmutzigen Stellen der finnischen Gesellschaft deutlich hervorzuheben, so dass der Blick auf die reale Welt jederzeit bewahrt wird, niemals durchbrochen erscheint und Konsequenzen von jedem akzeptiert werden können. Der Schlagermusiker am Ende singt von Empörung und Wut, von Enttäuschung und der Verabscheuung der Erinnerungen. Es ist musikalisch betrachtet ein dämlicher Song, der aber wegen der Filmhandlung sehr lange im Kopf verweilt.

9/10

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