Nemesis 2: Nebula (1995)


NEMESIS 2: NEBULA
(Nemesis 2 - Die Vergeltung)
Regisseur: Albert Pyun
USA 1995

Klare Fronten, klare Räume

Mit dem ersten NEMESIS-Sequel etabliert Albert Pyun eines der hoffnungsvollsten Billigfranchises, wenngleich der Nachfolger so sehr nach Videothekenramsch riecht, als wäre der Film in eine übelriechende Kesselflüssigkeit gefallen. Nach einem höchst verwirrenden Anfang, der uns, ohne auf die Bremse zu drücken, zügig durch verschiedene Zeiten und Orte transportiert und dabei mit mehreren Texteinblendungen operiert, die bekanntlich nicht gerade zu der feinen Art gehören, mit der man seinen Zuschauern Appetit machen kann, zeigt uns Pyun dann endlich auch unsere Heldin Alex. Braun gebrannt, muskulös wie ein seit zwanzig Jahren aktiver Bodybuilder, ganz und gar nicht der typische Heteromännertraum irgendwie. Sie gilt als genetisches Experiment, eine Art Supermensch, welcher die Menschheit von der Abhängigkeit der Cyborgs befreien soll. Doch zunächst muss sie sich in ihrem Stamm beweisen, in welchem sie aufwuchs, nachdem ihre Mutter ermordet wurde. Dass sie sich körperlich mit einem ausgewachsenen Mann messen kann, beweist sie in einem Zweikampf, in welchem ihr großmäuliger Herausforderer ordentlich kassieren muss. Auf diese hilflos wirkenden Szenen des gemeinschaftsinternen Konflikts und der immensen Testosteronausschüttung folgen Tötungen und Zerstörungen, die durch Kopfgeldjäger Nebula verursacht werden, welcher aus der Zukunft stammt. Sein Ziel ist es, Alex zu vernichten. Doch weil Cyborgs sich um Menschenopfer nicht scheren und ein Actionfilm Spektakel benötigt, plättet das technologisch famos ausgestattete und überlegene Vieh zunächst den kompletten Stamm von Alex weg. Das Aussehen und das Verzerrt-Verschwommene plünderte der hawaiisch-stämmige Filmemacher natürlich frech von PREDATOR, während die Geschichte von der Tötungsmaschine aus der Zukunft, die in eine Gegenwart tritt, um eine Person zu liquidieren, die für das Zeitalter der Technikdiktatur eine echte Gefahr darstellt, ein Abklatsch von TERMINATOR ist. Trotz aller Einwände, die man gegen die mangelnde Pyun'sche Kreativität vorbringen kann, gibt sich NEMESIS 2 zu keinem Zeitpunkt einer drögen Ausschlachtung einer bereits oft erzählten Vision hin. Das hat zum einen damit zu tun, dass der Regisseur auf dem Terrain der dystopischen Visionen 1995 ein Heimspiel hatte, da er bereits zuvor gefühlt 20 Filme dieser Sorte drehte. Zum anderen ist da auch die löbliche Unlust, irgendwelche emotionale Knoten zu binden oder sich mit Gegebenheiten aufzuhalten, die dann eh schnuppe sind. NEMESIS 2 ist, bis auf den Anfangsteil, pure Effizienz und strahlt die Fröhlichkeit des Minimalistischen aus. Da gibt es einen Jäger und eine Gejage, eine Wüste und ein stillgelegtes Industriegelände. Klare Fronten, klare Räume, eine Siegerin. Den Rest erledigt der miefige Videothekenramschgeruch, sofern man für diesen etwas übrig hat.

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