Wolf Creek 2 (2013)


WOLF CREEK 2
Regisseur: Greg McLean
Australien 2013

Ein doppelzüngiger Bewahrer australischer Kultur

Regisseur Greg McLean nimmt Bezug auf unterschiedliche wahre Verbrechen im australischen Hinterland und lässt einen sadistischen Mörder auf zwei deutsche und einen britischen Touristen los. Im Vorgänger ließ er noch dreckigen Zynismus mit einer stickig-unangenehmen Atmosphäre paaren, hier legt er seinem Antagonisten Oneliner in den Mund und unternimmt Ausflüge in die Vororte der Ironie. Jack Jarratt, der wieder die Rolle des wandelnden Backwood-Albtraums Mick Taylor übernimmt, darf sich mehr austoben. Also mehr jagen, mehr abmurksen und mehr konversieren. War er im ersten Film mehr ein diffuser Abdruck von der Bösartigkeit der Welt, bekommt er nun charakterliches Vermögen spendiert. Er wird als Liebhaber und Bewahrer australischer Kultur und Geschichte dargestellt, für den die Touristen ein Dorn im Auge sind, weil sie für seine Heimat nicht den nötigen Respekt aufbringen. Ein an den Nerven und der Psyche zerrendes Quiz mit einem Touristen wird zwar zeigen, dass diese Meinung von Eindimensionalität zeugt, aber das wird ihn nicht dazu bringen, gnädig zu sein oder seinen oberflächlichen Traditionalismus zu überdenken. Die Gorehounds werden ihm für seinen Jagdtrieb danken, schließlich sieht man hier massig Blut aus den Leibern spritzen oder die Windschutzscheibe herunterlaufen. Ein älteres Ehepaar, das helfen will, als einziges Gegengewicht zum nihilistischen Eindruck des Outback ist hier wirklich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. McLean inszeniert die Katz-und-Maus-Spiele dennoch spannend und zeigt verträumt wirkende Sonnenuntergänge, als würden die Touristen eine Chance haben, dem Zielfernrohr von Mick Taylor zu entkommen. Die wunderschöne Landschaft im australischen Nirgendwo bietet einen derben Kontrast zur grafischen Gewalt und verliert aufgrund des höheren Budgets und den häufigen Aufnahmen am Tag seine Unheimlichkeit, welches noch das Original von 2005 besaß, das rund achtmal so wenig kostete. Das soll jedoch nicht als generelle Bevorzugung der ursprünglichen Komposition verstanden werden. Ganz im Gegenteil sogar, denn das Videofilmformat und die leichten Wackelbewegungen der Kamera, welche ab Anfang der 2000er von Filmemachern häufig präferiert wurden, um den Szenerien und Aktionen einen höheren Grad an Direktheit abzugewinnen, limitierten häufig die künstlerische Gestaltung des Bildes. WOLF CREEK 2 profitiert größtenteils vielmehr durch das professionellere Profil seines Looks und macht dazu sichtbar, dass Greg McLean das Filmemachen beherrscht. Liefert das Auswechseln der inszenatorischen Darbietung auch eine Stellungnahme bezüglich der veränderten Sehgewohnheiten und optischen Trends im Horrorgenre ab, befindet man sich bei den Formen der Gewalt ganz auf der Linie des Originals, welches acht Jahre zurückliegt und auf den Terror- bzw. Backwoodslasher aus den Siebzigern, die französische Horrorwelle der Nullerjahre sowie die SAW-Reihe rekurrierte. WOLF CREEK ist unleugbar ein Kind seiner Zeit, WOLF CREEK 2 dagegen ein wenig aus der Zeit gefallen. Beide verbindet ein Schulterschluss mit dem Bösen, welches über das Gute siegen darf. Sie tun sich jedoch wahnsinnig schwer damit, uns zu verstehen zu geben, mit wem wir eigentlich mitfiebern sollen. So menschlich die Touristen auch gezeichnet sein mögen, so viel Zeit sich beide Filme für eine Exposition der sozialdynamischen Figurenbeziehungen nehmen - sobald Jagdliebhaber Mick Taylor auftaucht, wird der Fokus nicht selten gewechselt. Eine bewusste Steuerung der Sympathien zur Konfusion des Publikums, wie etwa beim Klassiker PSYCHO, ist allerdings nicht vorhanden. Diese Unentschlossenheit enttäuscht durch seine nicht von der Narration getragene Verwirrung und macht die Tour de Force darüber hinaus weniger elektrisierend, als sie hätte sein können.

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