Samstag, 2. März 2013

Cargo 200

Cargo 200 (Gruz 200)



Russland, 2007
Genre: Drama, Thriller
Regisseur: Aleksei Balabanov
Darsteller: Agniya Kuznetsova, Leonid Bichevin

Die Handlung spielt in der Sowjetunion des Jahres 1984, während der Zeit des sowjetischen Militäreinsatzes in Afganistan: Ein hochrangiger Polizeibeamter entführt die Tochter eines Funktionärs der Kommunistischen Partei. Die junge Frau bringt der Polizist zu sich nach Hause und stellt sie seiner Mutter als seine Frau vor. Währenddessen läuft die Suche nach der Entführten auf Hochtouren.

Fuck you, UdSSR

Kommentar: Das Hollywood-Kino beobachtend, fiel mir schon seit geraumer Zeit auf, dass es den meisten Werken aus der sogenannten Traumfabrik an Pathos und Geradlinigkeit besonders dann nicht mangelt, wenn deren Inhalt sich an einer wahren Begebenheit orientiert. Anders nimmt sich dagegen auf jeden Fall CARGO 200 aus, der im Prinzip das genaue Gegenteil zu der öden Mimosenhaftigkeit der BOTE-Schmierenkomödien darstellt. Wo sonst immer an irgendeiner Stelle ein Heilungsprozess einsetzt, da existieren in diesem Film noch nicht einmal Korrektive. Balabanov verweigert dem Zuschauer wie den Charakteren jede Form der wirklichen Erlösung, was selbst bei den mit subtilem Humor gespickten Szenen Geltung findet, da das Lachen entweder komplett falsch ist oder sich als eine billige, temporäre Auflockerung entpuppt. GRUZ 2000 ist schockierend gemein und zeichnet rücksichtslos das Porträt eines zu der Zeit längst vergifteten Konzeptes, welches den Namen UdSSR trägt. Verfallen und marode zeigen sich im Film nicht nur die Wände in Treppenhäusern, sondern auch die Beziehungen zum Menschen an sich. Integrität und Anstand sind maximal noch als leere Theorien in den Köpfen vorhanden, praktisch herrscht aber eine Enthumanisierungswelle, bei der Halbzombies alles dafür geben, Regungen der Mitmenschlichkeit zu ignorieren. Gerade im zweiten Teil treibt der russische Regisseur die Verhältnisse auf die Spitze, sperrt die Türen für System abwertende Metaphern weit auf, weshalb der Realismus als Gradmesser spätestens dort keine Tauglichkeit mehr besitzt. Dem Sensationalismus nahe lassen die Macher die dichte Stimmung der ersten Hälfte fallen, um in der Folgezeit brutale Sequenzen zu etablieren, was einer knüppelharten Abrechnung mit der Sowjetunion mehr als würdig zu sein scheint. Der Zynismus Balabanovs kennt weder Limitierung noch Relativierung. Wenn draufhauen, dann gleich auch richtig.

8/10

2 Kommentare:

Robin hat gesagt…

Guter Text zu einem starken Film! Balabanow haut hier richtig rein. Ich würde sogar noch einen Punkt bei der Bewertung drauflegen. :D

Eule hat gesagt…

Yeah, danke.

Von Balabanow muss ich aber noch sehr viel sehen. :-)

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