GING CAAT GU SI
(Police Story)
Regisseur: Jackie Chan
Hongkong 1985

Den Ärger von der Seele gefilmt

Kevin Chan steckt ganz schön in der Klemme. Der Polizist überführte zwar einen respektierten Rauschgiftboss, doch diesen muss man aufgrund von Beweismangel wieder laufen lassen. Besagter Drogenchef, der natürlich mächtig sauer ist, lässt zudem einen Polizisten mit der Waffe Chans erschießen, sodass nicht nur die Unterwelt Chan in die Finger kriegen will, sondern auch die Hüter des Gesetzes. Nach seinem krassen Hollywood-Flop THE PROTECTOR ging Jackie Chan wieder nach Hongkong zurück, um seinen Vorstellungen eines bissfesten, trotzdem amüsant ausgerichteten Cop-Thrillers zu frönen. Eine Tapete aus bekannten Storymustern packte er dabei in den Hintergrund, während sich davor waghalsige Stunts und ausgeklügelt-spritzige Choreografien die Klinke in die Hand geben dürfen. Aus einem riesigen Topf voller Ideen und Gags bedient sich Jackie Chan, wenn er sich mit einem Regenschirm an einen Doppeldeckerbus hängt oder mit einem Motorrad durch das gut frequentierte Kaufhaus rauscht. Man empfindet Ehrfurcht, aufgrund des akrobatischen Könnens; Freude, da Jackie sich nach kreativen Desastern wie THE PROTECTOR und ähnlichen US-Versuchen den Frust von der Seele filmt; Vertrauen, weil es eben immer noch Variationen sind und weil Jackie kaum missverständlich in chaplineske Dimensionen vordringt. Erst neun Jahre später, nämlich mit RUMBLE IN THE BRONX, schaffte es Jackie endlich, in den Staaten Fuß zu fassen. Doch keiner dieser Filme enthält auch nur im Ansatz eine solch urkomische Sequenz, in der Chan im Polizeibüro sitzen muss und mit mehreren Telefonhörern hantiert, um allen Anrufern gerecht zu werden.

KILLER CROCODILE
(Der Alligator)
Regisseur: Fabrizio De Angelis
Italien 1989

Der Umwelt zuliebe

Fabrizio De Angelis machte sich vor allem als Produzent von heiß gehandelten Fulci-Classics und als Regisseur reißerischer Rip-Offs einen Namen. Sein KILLER CROCODILE gehört zur waschechten Form billiger und stümperhafter Nachbildung, sodass die Prämisse hauchdünn ist: Während einer Flussexpedition stößt eine Gruppe von Umweltschützern auf Giftmüll, von dessen Effekt ein Krokodil profitiert. Das tropische Gewässer ist dabei Opfer zweier Tatsachen. Zunächst der machtpolitischen Spielchen, die es zulassen, dass toxischer Müll im Wasser sein destruktives Unwesen treiben kann und dann natürlich aufgrund des Riesenkrokodils, welches den Ruf des Flusses nachhaltig zu beschädigen droht. Dass das um sich beißende Titelungeheuer überhaupt Freunde haben könnte, hält man gar nicht für möglich, doch das Pack, das sich Umweltschützer und Umweltschützerinnen schimpft, ist zunächst für eine der Zivilisation zugeneigte Methode, das Tier zu bändigen. Erst einige Tode später erkennen aber auch sie, dass dem Ungehorsam des Tieres nicht anders beizukommen ist, als das Tier zu vernichten. Das Krokodil rechnet eben nicht mit Excel-Tabellen Kosten und Nutzen aus, auch ein GPS mit Freund-Feind-Angaben ist ihm fremd. Es ist ihm gleich, ob ihm jemand an die Gurgel will oder ob seine potenzielle Beute seine Art für bedroht und deshalb für schützenswert hält. Diese Gewalt der Natur trifft in KILLER CROCODILE auf die Ethik, Empathie und den Erkundungsdrang des Menschen. Überaus konsequent folgt der Film den Pfaden von DER WEISSE HAI, DER HORROR-ALLIGATOR und CROCODILE DUNDEE, während er selbst möglicherweise an der Mitinspiration des acht Jahre später in die Kinos gekommenen ANACONDA teilnahm. Ohne visuelle Mehrschichtigkeit bleibt De Angelis hinter den meisten seiner Primärquellen zwar zurück, doch vermag er es klassische Kniffe des creature feature und italienische Schmierigkeit in ein Zeichensystem zu überführen, welches den Sensibilitäten so einiger Cineasten zuspielen dürfte.  

THE WILD BUNCH 
(The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz)
Regisseur: Sam Peckinpah
USA 1969

Sie kannten nur Gewalt

Als die Outlawbande um Pike Bishop in Mexiko landet, stoßen sie auf den unberechenbaren General Mapache, der ihnen 10000 Dollar verspricht, wenn sie einen amerikanischen Zug überfallen, der mit Munition und Waffen bestückt ist. Gleichzeitig macht Bishops Gefährte Thornton mit eher schlechten als rechten Kopfgeldjägern Jagd auf seinen alten Kumpel. Der italienische Western zeigte ab 1964 schon, wie eine intellektuelle, aber achtungsvolle Zerschlagung des Westerngenres inklusive der von ihm evozierten Mythen aussehen kann. Doch Peckinpah greift noch weiter um sich und verknüpft die Thematisierung sowie die Dekonstruktion des Genres mit einem fast schon poetischen Pessimismus gegenüber der amerikanischen Kultur. Er zeigt mittels kluger Montage auf, was Gewalt hervorbringt und arbeitet mit assoziativen Bildern, für die ihm Theoretiker und Filmemacher Eisenstein auf die Schulter geklopft hätte. Schießereien werden nicht als Mittel zum Zweck gebraucht, schon gar nicht als Pop-Nummern inszeniert, sondern spielen sich als metaphorische Gewaltorgien ab, welche sich in den Gesellschaft zersetzenden Brutalismus verbeißen. Damit reflektiert er überdies die Tage vor dem Ersten Weltkrieg und Amerikas damals hochaktuellen Militäreinsatz in Vietnam gleichermaßen. Fest steht: In einer Welt, in der dieser Film spielt, ist das Leben nicht lebenswert. Konsequent ist es deshalb, den unterschiedlichen Figuren keine größeren Ziele oder Motive anzudichten und deshalb erst recht auch gar keine erfolgreiche Heldenhaftigkeit zuzulassen. In THE WILD BUNCH fallen filmhistorische bzw. -wissenschaftliche Reputation und filmästhetisches Gespür zusammen.